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"Da wurde der Wunsch zur Begierde" Über Japansehnsucht und Künstlerreisen im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Knippschild, Judith

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PDF, German
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Abstract

Die Kunstgeschichte konnte bereits vor längerer Zeit belegen, dass der Japonismus, also die Rezeption der japanischen Kunst in Europa, wesentlich dazu beitrug, die Kunst der Avantgarde inhaltlich und stilistisch zu befruchten. Problematisch ist, dass in der Forschung primär Werke von euroamerikanischen Künstlern analysiert werden, die Aspekte der japanischen Kunst losgelöst vom ursprünglichen Kontext sahen. Man kannte die Farbholzschnitte, Vasen und Lacke aus den großen Ausstellungen, dem Handel und den verschiedenen privaten und öffentlichen Sammlungen. Doch Japan selbst hatte die Mehrheit der im Fokus der Japonismusforschung stehenden Künstler nie gesehen. Dieses Defizit ist der Ausgangspunkt der vorliegenden Studie: Was passierte, wenn die im europäischen Kulturraum sozialisierten und ausgebildeten Künstler Japan tatsächlich bereisten? Welche Auswirkungen hatte die reale Japanbegegnung auf ihr künstlerisches Schaffen, welche Konsequenzen ergaben sich für ihr Vorstellungsbild über Japan? Untersucht wird die Problematik anhand von fünf Künstlerreisen, unternommen von Malern aus dem deutschsprachigen Kulturraum. Im Zentrum stehen die Künstler Wilhelm Heine, Franz Hohenberger, Emil Orlik, Karl Walser und Emil Nolde, die Japan zwischen 1853 und 1913 bereisten. Ihre Reisebilder bilden das Fundament der Studie. Diese künstlerischen Arbeiten wurden von verschiedensten Faktoren sowohl aktiv gesteuert als auch passiv beeinflusst, wodurch der Untersuchungsgegenstand multiperspektivisch im Sinne des Holismus beleuchtet wurde. Im Ergebnis zeigt sich einerseits, dass die auf Reisen entstandenen Malereien das mitteleuropäische Vorstellungsbild über Japan zu einem großen Teil bestätigten, indem sie stereotype Ansichten repetierten und bekräftigten. Das Gros der Darstellungen verpasste es, Japan aus einer ungewohnten Perspektive wiederzugeben, Transkulturalität und Wandel zu dokumentieren, obgleich die schriftlichen Äußerungen der Maler durchaus kritisch waren. So sollten die Visualisierungen nicht unterschätzt werden und müssen in der Erforschung des „westlichen Japan-Diskurses“ mehr Beachtung finden. Andererseits macht die Studie deutlich, dass die visuellen Reisebilder im Sinne des „stilistischen Japonismus“ wenig zur Weiterentwicklung der Avantgarde und deren Suche nach innovativen Ausdrucksmöglichkeiten beitrugen: Malerische Experimente bildeten die Ausnahme, stattdessen wurde in Japan auf naturalistische Darstellungsweisen zurückgegriffen, um interessante Motive wiederzugeben. Diese Beobachtung stützt die Annahme, dass der kreative Austausch in den Kunstzentren Europas sowie die Weiterentwicklung von Ideen in den heimischen Ateliers für die Reisemaler in der Regel bedeutsamer waren als das Erlebnis, für eine kurze Zeit in eine andere Kultur einzutauchen. Dennoch darf die kunstgeschichtliche Japonismus-Forschung die Reisebilder nicht marginalisieren. Denn die von Künstlern unternommene Rezeption der japanischen Kunst kann nicht entkoppelt betrachtet werden von der euroamerikanischen Japan-Imagination.

Item Type: Dissertation
Supervisor: Juneja, Prof. Dr. Monica
Place of Publication: Heidelberg
Date of thesis defense: 10 February 2020
Date Deposited: 21 Apr 2020 09:33
Date: 2020
Faculties / Institutes: Philosophische Fakultät > Kunsthistorisches Institut
Subjects: 700 The arts
750 Painting and paintings
910 Geography and travel
Controlled Keywords: Japonismus, Japan, Interkulturalität, Nolde, Emil, Orlik, Emil, Heine, Wilhelm, Hohenberger, Franz, Walser, Karl
Uncontrolled Keywords: Künstlerreisen, Transkulturalität, Japan-Diskurs
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