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Abstract
Die beiden häufigsten angeborenen Fehlbildungen der vorderen Bauchwand, die Gastroschisis und Omphalozele, erweisen sich noch immer als eine relevante kinderchirurgische Herausforderung, nicht zuletzt aufgrund der kontroversen Studienlage bezüglich einer optimalen Versorgung, insbesondere bezogen auf postnatale Infektionen. Methoden: Für die vorliegende Arbeit wurde retrospektiv ein Kollektiv aus 63 Neugeborenen, darunter 32 mit Gastroschisis und 31 mit Omphalozele, welche in den Jahren 2010 bis 2020 in der kinderchirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Mannheim postnatal behandelt wurden, analysiert. Hauptbeobachtungsgröße der Studie stellte die Inzidenz, sowie die Art und der Zeitpunkt infektiöser Komplikationen dieser Neugeborenen innerhalb der ersten zwei Lebensjahre dar. Ziel war die Detektion prädisponierender und postnataler Einflussfaktoren auf Infektionen, um diese zukünftig im klinischen Alltag zu minimieren. Hierzu wurde insbesondere der Nutzen einer zum Datenerfassungszeitpunkt etablierten postnatalen empirischen Antibiotikagabe kritisch überprüft. Ergebnisse: Es zeigt sich eine allgemeine Infektionsrate von 60% innerhalb der Gesamtstichprobe. 66% aller Infektionsträger gehören der Untergruppe der Gastroschisis an, hier treten Infektionen deutlich früher und häufiger auf als bei der Untergruppe der Omphalozele. Die Untergruppe der komplexen Gastroschisis hingegen zeigt im Vergleich zur isolierten Gastroschisis keine erhöhte Infektionsrate. Die häufigsten Infektionsarten stellen lokale ZVK-Infektionen (24%), gefolgt von Septitiden (22%) und Patchinfektionen (22%) dar. Haupterreger für jede Art der Infektion sind grampositive Hautkeime, insbesondere Koagulase negative Staphylokokken (KNS). 90% der Patienten erhalten eine postnatale empirische Antibiotikagabe ohne Infektionsnachweis, unabhängig von einer perioperativen Prophylaxe (PAP). Die Gabe von meist Ampicillin und Gentamycin erfolgt in 83% der Fälle noch am Entbindungstag und durchschnittlich für eine Dauer zwischen 7 und 10 Tagen postnatal. Patienten mit erfolgter postnataler antibiotischer Gabe zeigen eine insgesamt erhöhte Infektionsrate, welche sogar mit der Dauer der Antibiotikagabe zunimmt. Ein Großteil der Infektionen tritt jedoch erstmals weit nach Beendigung dieser postnatalen Antibiotikagabe auf. Es zeigt sich ein hoch signifikanter Zusammenhang zwischen Frühgeburtlichkeit und dem Auftreten postnataler Infektionen, denn 73% aller Frühgeborenen erleiden eine Infektion (p=0,0073). Insgesamt werden 85% aller Neugeborenen per Sectio Caesarea und 15 % vaginal entbunden. Das Auftreten einer Infektion scheint jedoch unabhängig vom Geburtsmodus zu sein (p=0,0774). Während 40% der Patienten im Rahmen der operativen Erstversorgung per Faszienverschluss durch Direktnaht versorgt werden, werden 49% mittels Schusterplastik (Silo) und 11% der Patienten mittels Patchanlage operativ versorgt. Ein sekundärer Bauchwandverschluss mit Silo geht trotz längster prophylaktischer Antibiotikagabe mit einer erhöhten Infektionsrate, im Vergleich zu einer Direktnaht einher (p=0,0177). Dagegen entwickeln alle Patienten mit Patchverschluss als Erstversorgungstechnik eine infektiöse Komplikation. Diskussion: Zusammenfassend kann in Hinblick auf eine dringend notwendige postnatale Infektionsreduktion abgeleitet werden, dass die operative Primärversorgung entscheidend für die Infektionsrate der Neugeborenen ist. Es sollte immer der Versuch des Primärverschlusses per Direktnaht erfolgen, da eine Siloanwendung mit einem erhöhten Infektionsrisiko einhergeht. Diese sollte daher nur erfolgen, wenn aufgrund einer viszeral-abdominalen Disproportion kein Primärverschluss möglich ist. Von einem primären Patchverschluss sollte aufgrund der hohen Infektionsrate abgesehen und Alternativen etabliert werden. Es sollte zudem eine möglichst frühzeitige enterale Ernährung, sowie eine möglichst kurze Beatmungszeit angestrebt werden. Es besteht aus infektiologischer Sicht keine allgemeingültige Empfehlung zur Sectio Caesarea. Die Geburt sollte jedoch zur Vermeidung einer Frühgeburtlichkeit so spät wie möglich erfolgen. Die zum Datenerhebungszeitraum allgemein etablierte prophylaktische postnatale Antibiotikagabe, abseits der perioperativen Therapie, ist nicht erfolgreich und sollte in Anbetracht der aktuellen Studienlage und des späten Infektionszeitpunktes kritisch hinterfragt werden. Deren Notwendigkeit und Dauer muss an die individuelle Risikokonstellation des Neugeborenen angepasst werden. Auch wenn heute bereits ein Paradigmenwechsel bezüglich dieser prophylaktischen Antibiotikagabe stattfindet und diese nicht mehr allgemeingültig etabliert ist, fehlt weiterhin ein klinikübergreifendes einheitliches Handlungsschema gemäß eines „Antibiotic-Stewardship“ für angeborene Bauchwanddefekte.
| Document type: | Dissertation |
|---|---|
| Supervisor: | Wessel, Prof. Dr. Dr. h.c. Lucas M. |
| Place of Publication: | Heidelberg |
| Date of thesis defense: | 4 December 2025 |
| Date Deposited: | 30 Apr 2026 07:21 |
| Date: | 2026 |
| Faculties / Institutes: | Medizinische Fakultät Mannheim > Kinderchirurgische Klinik |
| DDC-classification: | 610 Medical sciences Medicine |
| Controlled Keywords: | Gastroschisis, Omphalozele |







