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Kirchenburgen (sowie Wehrkirchen, Pfleghöfe und befestigte Klöster) in Baden Württemberg (und Umgebung). Teil 3. Darstellung des erhaltenen Bestandes im Jahre 2010

Pietschmann, Dieter-Robert

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Abstract

Ursprünglich sollte die Photodokumentation des Teil III den ganzen „Rest“ Baden-Württembergs in den bisher noch nicht erfassten Bereichen beinhalten. Es ergab sich aber im Laufe des Jahres bei der Umsetzung eine solche Fülle von Material, das wir nicht umhin kamen, das verbleibende Gebiet zu teilen – es wird also noch einen Teil IV geben, der dann Baden-Württemberg abschließt. Der Teil III der Photodokumentation erbrachte eine Reihe neuer Variationen der Kirchenburgen. Wir fanden auch neue, bisher nicht mehr erhaltene Beispiele von Toranlagen, bei denen man schon von Torburgen sprechen kann, um nur einen Themenpunkt als Beispiel zu nennen. Besonders im Kreis Alb-Donau, dem einstigen Gebiet der freien und Reichsstadt Ulm ist eine hohe Konzentration an Anlagen aufzufinden, die zum einen von der freien Reichsstadt selbst angelegt wurden um ihr expandierendes Gebiet zu sichern, zum anderen aber wurden auch die Ortskirchen von Ortschaften von Adeligen, die selbige der Reichsstadt überschrieben und als Bewaffnete daselbst in ihre Dienste traten, nachträglich befestigt. Der „Große Wurf“ gelang der Reichsstadt, als schließlich einer ihrer Hauptgegner, die Grafen von Helfenstein, innerhalb von zwei Generationen sich total überschuldeten und schließlich auf Kaiserlichen Geheiß zur Deckung ihrer Schulden den überwiegenden Teil ihres enormen Gebietes an den Gläubiger abtreten mussten: An die freie und Reichsstadt Ulm. Doch das mächtige Ulm sollte nicht ungeschoren bleiben: Im 15. Jahrhundert flammten die Auseinandersetzungen wieder auf – aus einer anderen Richtung, aber nicht minder heftig: Der Markgraf von Ansbach machte brennend und zerstörend von sich reden – und die Reichsstädte schlugen zurück. Ausgetragen wurde dies – wie auch in den bisherigen Gebieten – auf den Schultern des „kleinen Mannes“, der leibeigenen Bauern und deren Familien. Signifikant ist eine Zunahme von Neubefestigungen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts festzustellen, zuletzt gründete man neue Kirchen sogar wieder mit massiven Chortürmen, die denen der spät-romanischen Zeit glichen: Einheitlich, mit massiven Mauern, als Kampfplattformen. Doch wie zum Trotz sollte all dies beinahe vergeblich sein: Im Jahre 1462 zieht Herzog Ludwig von Bayern aus dem Raume Ansbach gegen das Gebiet der freien und Reichstadt Ulm: Mit rund 10000 Mann legt er 30 Dörfer und Städte „in Grund und Boden“. Und doch haben Teile und Reste von Anlagen überlebt. Was mögen sich für Szenen abgespielt haben ! Im benachbarten Kreis Biberach geschah gleiches – doch hier findet man überwiegend spärliche Reste: Viel später schlug etwas zu, das weit stärker als kriegerische Zerstörungen war: Menschliche Ignoranz vor der Geschichte. Was Jahrhunderte und Kriege mehr oder weniger überdauert hatte, wurde im „Zeitalter des Barock“ derartig überformt, das man davor steht und das Alter eines einst mit Buckelquadern aufgeführten Turmes nicht mehr erkennt. Ohne die Unterstützung durch die Literatur hätte man das wenig Chancen. Literaturrecherchen sind deshalb ein eigenes Kapitel im Teil III. Sie können sehr wertvolle Hinweise auf Vergangenes geben, wenn zur Zeit ihrer Erstellung man sich der Geschichte erinnerte. Besonders wird dies in den Kreisen Karlsruhe und Rastatt deutlich. Auch hier gab es Auseinandersetzungen, mehr zwischen dem Klerus und dem Adel denn mit Reichsstädten. Doch wer auch immer gegen wen kämpfte, angeführt von den Adeligen mit ihren reisigen Knechten bestand die Masse der „für die gerechte Sache“ kämpfenden aus den leibeigenen Bauern der Ortschaften. Oft kämpften auch hier die Bewohner von Nachbarorten gegeneinander. Man konnte allerdings nicht so sehr davon schreiben, das Freunde gegeneinander kämpften, denn lag der Nachbarort auf einem anderen Territorium, dann durfte man ohnedies nicht ohne Erlaubnis des adeligen (oder geistlichen) Herren dorthin gehen. Wie dem auch sei, auch hier überstanden viele Anlagen die unruhigen Zeiten, einschließlich des 30jährigen Krieges relativ gut. In letzterem waren sie vielerorts , selbst im 17. Jahrhundert, die einzige Zufluchtsmöglichkeit der Ortsbevölkerung, wenn plündernde Streifscharen durch das Dorf zogen. Sein Leben verlor man bei solchen „Gelegenheiten“ meist immer, aber man hatte die Möglichkeit, sich aus der Kirchenburg heraus so „teuer“ wie möglich zu verkaufen. Doch all die Greul dieses Krieges wurde im wahrsten Sinne des Wortes „in den Schatten gestellt“ von der Furie, die ab dem Ende des 17. Jahrhunderts auf dem Fuße folgte: Die gemeinhin als Reunionskriege bekannten Auseinandersetzungen (ich gebrauche diesen manchmal als „Verallgemeinernd“ bezeichneten Terminus – denn auch die sogenannten „Städtekriege“, ebenfalls ein stehender Begriff, sind genauso ein „Sammelbegriff“ für eine Sache, eine Zeitperiode. So auch hier, beginnend mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg, überzogen französische Heere für mehr als 50 Jahre die Gegend mit Feuer, Schrecken und Tod. Und die vielen sinnlosen Zerstörungen, die dabei getroffen wurden, trafen nun auch, wie viele Orte, die in ihnen liegenden Kirchenburgen (lediglich solche, die am Ortsrand lagen, kamen manchmal etwas glimpflicher davon). So verwundert es nicht, das es hier einen relativ geringen „Erhaltungszustand“ gibt. Zum Schluß des Teil III sehen wir auch eine Statistik, einen Überblick über den Erhaltungszustand der bisher im Rahmen der Teile I – III besuchten Anlagen, eine erste Bestandsaufnahme basierend auf der „Grundgesamtheit“. Und wird werden, bezugnehmend auf die Literatur Recherche, einen Ausblick in das Jahr 2011 machen, um zu sehen, welche „potentiellen Ziele“ sich in der Praxis der Photodokumentation noch und in welchem Zustand erhalten haben. Ach ja – es heißt der Titel diesmal ja „In Baden-Württemberg“ (und Umgebung): Einen Ausflug machen wir gleich zu Beginn nach Norden, also ganz entgegengesetzt zur sich nach Süden bewegenden Hauptrichtung. Denn im Norden von Baden-Württemberg beginnt der „Odenwald“, und zieht sich über Hessen und Teile von Bayern (Franken) dahin. Und was wir hier, direkt vor unserer Haustür, bei unseren Streifzügen fanden ist so beeindruckend, das es einfach aufgenommen werden muss: Auch der Odenwald hat seine Kirchenburgen ! Anlagen, die zum Teil tief in die romanische Zeit zurückgehen, in eine Zeit, als das zu karolingischer Zeit gegründete Kloster Lorsch wahrhaft den Odenwald „beherrschte“. Doch auch hier gab es Neider, mächtige ihrer Art, und in dem Machtvakuum nach dem Fall des Klosters brachten gewissermaßen „Erbfolgekriege“ auf breiter Basis los – interessanter weise auch ab dem späten 13. Jahrhundert – und sie zogen sich bis in die Zeit der Bauernkriege dahin. So hat denn auch der Odenwald mit seinen „Oden“ (=Sagen) einiges in dieser Hinsicht zu erzählen, auch heute noch !

Translation of abstract (English)

The original purpose of the Photodokumentation was, to cover the whole lasting parts of Baden-Württemberg. Despite to that, we found during the planning and scheduling such a lot of data , that we finally were forced to split the “lasting” Part. Therefore, we will have also a “Part IV”, covering further and finally after “Part III”. Within part III, the Photodokumentation showed also new variations of church castles, in particular still existing variations, as they might have been common among then in former times. For example, we find gate houses that complex, that you really can name them as “gate castles”, comparable to those of noble castles. Remaining examples are concentrated in die area of the “Alb-Donau” district of today, which was also the former territory of the mighty “free and imperial town” of Ulm. This city was in constant fighting’s with its neighbors, mostly in the early times the Counts of Helfenstein. This mighty family ruled a wide territory, you can call it really a little kingdom. And therefore the Counts became the leaders of the nobles in this areas in the fighting against the free and imperial towns, led by the first among them: Ulm. Ulm founded and fortified churches in their villages to protect its sphere (which was growing up constantly) against the nobles. And by the time, a lot of “poor” nobles jumped over the “frontline”, handed their one or two small villages over into the possession of Ulm and became first among their town soldiers. Constantly this continues over generation, but the real “Big Deal” was an unexpected one: Within two generations, the Counts of Helfenstein went into a financial disaster by their style of life, that big that they had to loan money from those who made meanwhile good one: The free and imperial town of Ulm. And the town advisors of Ulm agreed, year by year, seeing in which disaster the counts would run. Finally, they couldn´t even pay their mortgage anymore and by an imperial act (initiated by the free and imperial town of Ulm) the counts had to hand over most of their territory and possession to Ulm ! But when one enemy falls, others will rise, and so in that case too. From the midst of the 15th. Century onwards there is a significant new founding of church castle, in which the massive types of towers, known as the “chorus-towers” were used again: Definitely as a battle platform – the times had become “hot” again. The margrave of Anspach tried the free and imperial cities and finally also the mighty town of Ulm find its master: In the year 1462, duke Ludwig of Bavaria marched with 10000 men into the area of Ulm, destroying about 30 villages and cities “back into the ground where they had come from”. And who had to do most of the fighting again ? The people in boundage, the peasants. By the way, in the district of Biberach we found a very low ratio of unharmed former church castles, or such ones showing evens parts and peaces of former walls, curtains and towers. But the reason therefore was a complete different one. Despite all the destructions of the former centuries, in was human ignorance of history, which led the old matter vanish forever, and what is called in travel guides of today the “Dreamland of Baroque”, I call it the “Nightmare of Baroque”. Without the literature research during the schedule of the “Photodokumentation”, you will stand in front of a “nice” Baroque church, not knowing its older origin. Therefore, literature research is an important part of this work. It can´t substitute the reconnaissance, not at all, but it can give very vulnerable information in particular about such objects which are gone today. This fact will be shown very drastic in the districts of Karlsruhe and Rastatt. In former times, there were also “local” trouble”, mostly between the nobles and the cleric. And, of course, also on the “shoulders” of the people in boundage” who had to fight for “the right purpose”. Very often people from neighborhood villages fought against each other, but you can´t say that friends were fighting each other: If the villages were in different territories, it was even not allowed to went over without a good reason and the permission of your master. Within here, the church castles survived more or less as they did in other areas, even the brutal time of the thirty years war in the 17th century. Very often the church castles were the last refugee where the peasants could go when marauders visited. In the nature of this war, you wouldn´t survive such a visit anyway, and out from the church castles, the people could at least try to survive. But then a kind of horror starts in the later years of the 17th century, which let the “blood and brutality of the thirty years war” fade to gray: The Reunification wars. I use this “generalizing term” (as some people do say) in the same way as also the “town wars” is such one, indicating a time period or an general circumstance. So in this case too; it started with the “palatine war of succession” and for more than 50 years, French troops brought fire, death and destruction to people, villages and church castles; needless to say, absolute senseless destruction. Therefore the church castles do have a very low “remaining factor”. The final chapter of part III will pick up this “remaining factor” with a short statistical overview and finally you will have an impression of the situation of today. But by the way: The headline of part II does include “and heigbourhood”: We also will have a ride into an area, starting in the North od Baden-Württemberg, continuing to north also areas of Hessian and Bavaria (Franconia districts); commonly known as “The Odenwald”. Within here, we found just out of our doorsteps, such a high number of church castles, that we had to pay instantly honor to this circumstance. Within an own chapter we will see the rise and fall of the mighty, Carolingian founded monastery of Lorsch (also Charlemagne was here very often) which rules the whole area, until after its final fall a long lasting kind of “succession war” started here – nearly at the same time, the period of the “town wars” started ! The “Odenwald”, it’s called forrest of legends and sagas, and even today you can visit them in real !

Document type: Book
Date: 2010
Version: Primary publication
Date Deposited: 14 Dec 2010 10:08
Faculties / Institutes: Research Project, Working Group > Individuals
DDC-classification: Architecture
Controlled Subjects: Baden-Württemberg, Wehrkirche, Klosterhof
Uncontrolled Keywords: Kirchenburg
Subject (classification): Architecture
Countries/Regions: Germany, Switzerland, Austria