About Propylaeum-Dok | Viewer | Contact | Imprint |
  1. HOME
  2. Search
  3. Fulltext search
  4. Browse
  5. Recent Items rss
  6. Publish
  7. Englisch

Die anthropomorphen Terrakotten aus Lato. Von der mittelminoischen Zeit bis zum Ende des VI. Jhs. v. Chr.

Horst, Katarina

[img] PDF, German (Text)
Download (169MB) | Terms of use
[img] PDF, German (Abbildungen: Die anthropomorphen Terrakotten)
Download (32MB) | Terms of use
[img] PDF, German (Abb. der matrizengleichen Terrakotten)
Download (30MB) | Terms of use
[img] PDF, German (Beilagen)
Download (90MB) | Terms of use
For citations of this document, please do not use the address displayed in the URL prompt of the browser. Instead, please cite with one of the following:

Abstract

Vierhundertfünfundsiebzig Objekte aus gebranntem Ton, zum größten Teil menschengestaltige Figuren und einige Tafeln (Pinakes) mit Tier- und Fabeltierdarstellungen, kamen bei Ausgrabungen in der antiken Stadt Lato in Ostkreta zutage. Ein kleiner Teil davon wurde durch den Ausgräber Joseph Demargne 1898-1900 selbst, ein weiterer, etwas umfangreicherer Teil durch seinen Sohn Pierre Demargne 1929 publiziert. Weitere neun Objekte wurden nach einer Grabung von 1967-68 veröffentlicht. Der weitaus größte Teil aber wird durch die vorliegende Arbeit erstmalig vorgestellt. Alle bisher bekannten Terrakotten werden chronologisch, stilistisch und ikonographisch eingeteilt. Die Figuren aus J. Demargnes Grabung wurden überwiegend aus der Zisterne auf der Agora neben dem zentralen Tempel geborgen, der wohl als Deponie( Bothros) von Votivgaben diente. Ferner wurden Figuren im bebauten Stadtareal, in der Ebene unterhalb des Stadthügels und auf der Hügelspitze Goulas aufgesammelt. Allein die neun Figuren, die bei der Grabung von 1967-8 durch P.Ducrey und O. Picard in einem Keramikofen gefunden wurden, können durch ihren Grabungskontext zeitlich näher bestimmt werden, nämlich ins Ende des 7. Jhs. v. Chr. Die frühesten Terrakotten aus Lato sind der mittelminoischen Zeit zuzurechnen, einige sind in der Folgezeit und den sog. „Dunklen Jahrhunderten“ (1200-800 v.Chr.) hergestellt worden, doch die große Menge der Figuren gehört der früharchaischen Zeit des 7. Jh. v. Chr. der sog. Dädalischen Zeit an. Die Zuordnung zu Stil- und Zeitstufen wird nahezu ausschließlich durch stilkritische Beobachtungen und Vergleiche zu anderen, bereits chronologisch fixierten Denkmälern vorgenommen, da sich (bis auf die neun Objekte der neueren Grabung) durch die Grabungsumstände keine festen Daten ergeben haben. Die große Anzahl von Terrakotten erlaubt, eine enge Folge stilistischer Veränderungen vor allem im 7. Jh. aufzustellen, etwas, was mittels der bedeutenden, aber selteneren Werke der dädalischen Großplastik, den Bronze- und Elfenbeinarbeiten, nicht in vergleichbarer Weise möglich ist. Die Terrakotten sind in ihrem Stil ein Gemisch: man findet orientalische Formen und Motive, die durch Bronze- und Elfenbeinarbeiten aus dem Orient auf Kreta verbreitet wurden, daneben traditionell minoische Elemente in Gestik und Haltung. Bei den dädalischen Figuren werden die Formen einer Ordnung unterworfen und die Körperteile stärker durchmodelliert. Die große Menge an erhaltenen Figuren, nicht nur aus Lato, und die rasant schnellen Stilveränderungen machen das 7.Jh. zu einem außergewöhnlichen Zeitabschnitt in der Kunst Kretas, die so kein zweites Mal auf der Insel erscheint. Darüberhinaus stellt die dädalische Zeit Kretas für die gesamte Kunstgeschichte Griechenlands eine besondere und prägende Zeit dar. Die Frage nach einer Kontinuität des Kultes in Lato wird diskutiert. Hier wurde die in Kreta weitverbreite Göttin Eileithyia verehrt, das belegen hellenistische Inschriften, die sie als Stadtgöttin Latos nennen. Eileithyia gilt als Göttin, die für die Bereiche Fruchtbarkeit, Schwangerschaft, Stillzeit etc. zuständig ist, aber auch als Schwur- und Stadtgöttin erscheint. Die Verehrung dieser Gottheit scheint auf eine lange Tradition in Lato zurückzublicken, denn aus der Kombination der vorkommenden Figurentypen kann erschlossen werden, dass auch in früharchaischer Zeit die Fruchtbarkeitsgöttin Eileithyia verehrt wurde. Ob die Votive und Kultfigurenreste aus minoischer und mykenischer Zeit die gleiche Gottheit darstellen, muss ungewiss bleiben, da die Figurenreste eine nähere Bestimmung nicht zulassen. Zumindest zeigen die Reste von Kultfiguren spätminoischer Zeit im Schema der „großen Göttin mit erhobenen Armen“, vergleichbar mit den gut erhaltenen Göttinnen aus Karphi oder Gazi, dass es bereits eine Kultstätte im 12. Jh. v.Chr. gegeben haben muss. Das zentrale Heiligtum auf der Agora in Lato kann damit nahezu kontinuierlich auf eine Kultaktivität von mehr als 800 Jahren zurückblicken. Ab der klassischen und ganz sicher ab der hellenistischen Zeit wurde seine Bedeutung geringer, das belegen die zahlenmäßig geringen Votive aus dieser Zeitspanne. Das Heiligtum wurde abgelöst durch ein neues auf der Nordterrasse des östlichen Stadthügels, hier vielleicht mit anderen Zuständigkeitsbereichen der Göttin. Durch Vergleiche mit Terrakotten aus anderen Fundorten Kretas konnte eine Zuordnung zu einem ostkretischen Handwerkerkreis vorgenommen werden, der zumindest im 7. Jh. existierte. Die Figuren der dädalischen Zeit sind nahezu ausschließlich durch die Verwendung von Modeln bzw. Matrizen entstanden. Es hat sich herausgestellt, dass die Terrakotten eine große Verbreitung erfuhren: Terrakottafiguren und Pinakes aus verschiedenen Städten Ostkretas sind aus denselben Matrizen entstanden. Das Phänomen von matrizengleichen Figuren in verschiedenen Orten führt zu dem Schluss, dass es eine zentrale Werkstatt gegeben haben muss und fahrende Händler die Terrakotten in Ostkreta, z.B. in den Städten Praisos, Rossa Eklesia, Olous und Anavlochos, vertrieben. Es ist festzuhalten, dass die Gesellschafts- und Kulturentwicklung des antiken Kreta sich auch in den Terrakotten aus Lato widerspiegelt. Es existierte hier in spätminoischer Zeit ein Heiligtum mit für diese Zeit charakteristischen Kultfiguren im Typ der großen Göttinnen. Ein Rückgang der Aktivität und sicherlich auch der Bevölkerung in den Dunklen Jahrhunderten lassen sich durch die quantitativ geringer werdenden Votive aufzeigen. Ebenso zeigt sich die erneute Blüte Kretas ab dem Ende des 8. Jhs. in den Funden: die zahlenmäßig größte Gruppe entstammt der dädalischen Zeit. Sowohl die Entwicklung der neuen Herstellungsmethode mittels Matrizen, als auch die Verbreitung der Figuren auf der Insel belegen eine friedliche und künstlerisch produktive Phase Kretas.

Document type: Dissertation
Date: 1996
Supervisor: Dr. Klaus Fittschen, Prof.
Version: Primary publication
Date of thesis defense: 24 October 1996
Date Deposited: 18 Nov 2010 09:05
Faculties / Institutes: University, Faculty, Institute > Göttingen / Georg-August-University
DDC-classification: Plastic arts Sculpture
Subject (Propylaeum): Classical Archaeology
Controlled Subjects: Lato <Kreta>, Terrakotta, Stilkritik <Kunst>, Eileithyia, Kult, Votivfigur, Geschichte 1200 v. Chr.-800 v. Chr., Geschichte 800 v. Chr.-600 v.
Subject (classification): Sculpture, ceramics & metalwork
Copper- and Bronze Age
Countries/Regions: Greece (Antiquity)