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Das Kroatische Donaugebiet und die Veränderung seiner Strukturen durch den Krieg 1991-1995. Eine politische historisch-geographische Analyse

Schaffhauser, Volker

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PDF, German
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Abstract

Der Zerfall der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien erfolgte in den Jahren 1991 – 1998. Die Gründe dafür liegen jedoch nicht nur in der unmittelbaren Gegenwart. Historisch sind sie über viele Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte angelegt. Wie tektonische Störun-gen liegen sie unter der Oberfläche des Raumes. Und wie diese können sie bei Druck oder Spannung ihre fatalen Wirkungen entwickeln. Eine Untersuchung eines Teilraumes und dessen Veränderungen im 20. Jahrhundert muss daher einhergehen mit einer wenn auch verkürzten Darstellung der historischen, wirt-schaftlichen, ethnographischen, demographischen und kulturellen Strukturen des Ganzen. Diese Darstellung erlaubt danach die Beurteilung des Teilraumes, seiner Strukturen und deren Veränderung. Die oben erwähnten Störfaktoren im Untersuchungsgebiet, in unserem Falle im „kroatischen Donaugebiet in Ostslawonien treten alsbald deutlich zu Tage. Die Katastrophen der osmanischen Einfälle und die damit verbundenen militärischen Operationen der Donaumonarchie samt jeweils anschließendem Besitzerwechsel des Landes haben zwar immer wieder zu Devastierung und hohen Menschenverlusten geführt, dennoch wanderten anschließend wieder Menschen ein. Diese haben offenbar die Reste von früher vorhandenen Strukturen übernommen und die jeweiligen kulturellen Merkmale der Ethnien erhalten oder wiederbelebt. Besonders deutlich wird das an den religiösen Zugehörigkeiten. Letztlich sind die heutigen Grenzverläufe zwischen Ungarn, Kroatien und Serbien sogar fast identisch mit den alten Volkstums- und Konfessionsgrenzen aus der Zeit vor dem osmani-schen Einmarsch zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Man sollte also hier von der Persistenz einer alten Grenzzone sprechen, die diesen Raum in Pannonien in seiner jetzigen Gestalt bis in unser Jahrhundert geprägt hat. Erst heute haben neue räumlich-politische Entwicklungen zu bedeutsamen Änderungen geführt. Als Ergebnis des Ersten Weltkrieges geriet die Region aus dem österreich- ungarischen Machtbereich in den Hegemonialbereich Serbiens, was die ethnischen Strukturen stark beein-flusste. Der Zweite Weltkrieg ließ den Anteil der ungarischen Bevölkerung stark sinken, der deutsche Anteil verschwand fast total. Die dadurch verursachten Bevölkerungsverluste wer-den nun durch serbische und bosnische Umsiedler ausgeglichen. Dennoch blieb im kroatischen Donaugebiet, also in den heutigen Gespanschaften Osijek –Baranja und Vukovar-Syrmien, die kroatische Bevölkerung maßgebend. Mit der Unabhängigkeitserklärung der Republik Kroatien 1991 wurde die nationale Lage der Serben in Kroatien von diesen als unhaltbar eingeschätzt. Mit der Erklärung der Selbstän-digkeit der serbischen Bevölkerungsteile auf kroatischem Gebiet, insbesondere in der Krajina, begann auch der Aufstand der Serben in Ostslawonien. Dies wiederum führte zu Besetzung vor allem des kroatischen Donaugebietes durch die JNA, die mehrheitlich serbisch geführt war. Ergebnis dieser kriegerischen Auseinandersetzung war nicht nur die Zerstörung ganzer Landstriche und Städte wie z. Vukovar, sondern auch die Flucht von Zehntausenden Kroaten aus ihrer Heimat, hohe Personenverluste und Neuansiedlung von Serben ist Ostslawonien und der Baranja. Der so genannte „Heimatkrieg“ von 1991 – 1995 veränderte auch die Wirtschaft des Raumes, zerstörte Industrie und Infrastruktur und veränderte auch die Siedlungsstruktur Ostslawoniens. Nach der Rückkehr der Kroaten nach 1995 bzw. 1998 kam es wiederum zu einer Verän-derung der Bevölkerungsstruktur zugunsten des kroatischen Bevölkerungsteils. Dies zeigt sich besonders deutlich in der Baranja. Eine weitere Folge des Krieges war das Absinken der dörflichen landwirtschaftlichen Strukturen in die Bedeutungslosigkeit. Eine grundlegende Reform eben dieser Strukturen im kroatischen Donaugebiet ist also unumgänglich. Erschwert wird der Wiederaufbau dieser Region nicht nur durch seine isolierte Lage in Gesamtkroatien, sondern auch durch eine sich weiterhin selbst verstärkende Disparität von kroatischen wirtschaftlichen Zentren und peripheren Räumen. Ein Blick auf den florierenden Raum Zagreb oder das adriatische Küstenland macht das deutlich. Die gekappten wirtschaftlichen Beziehungen zum westlichen Serbien könnten allenfalls in einer gemeinsamen Regionalpolitik der beiden Nachbarstaaten wiederbelebt werden. Doch dies ist nur bei einer derzeit noch in weiter Ferne liegenden Mitgliedschaft Serbiens in der EU zu erwarten. In Serbien selbst bedauern zwar einige Kreise den Krieg und seine Folgen. Sein Ausbruch jedoch wird von weiten Teilen der Bevölkerung als Akt der Verteidigung historischer serbischer Interessen in diesem Raum betrachtet.

Item Type: Dissertation
Supervisor: Fricke, Prof. Dr. Werner
Place of Publication: Heidelberg
Date of thesis defense: 15 July 2014
Date Deposited: 01 Sep 2014 07:24
Date: 2014
Faculties / Institutes: Fakultät für Chemie und Geowissenschaften > Institute of Geography
Subjects: 550 Earth sciences
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