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Interpersonale Zurückweisungssensibilität im Kontext depressiver Störungen

Keßler, Katrin

English Title: Interpersonal rejection sensitivity in the context of depressive disorders

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Abstract

Hintergrund: Unter den verschiedenen Risikofaktoren zur Entstehung und Aufrechterhaltung depressiver Störungen haben sich kritische Lebensereignisse (Hammen, 2005), und hier insbesondere das Erleben sozialer Zurückweisung (Kendler et al., 2003) als besonders bedeutsam herausgestellt. Die Erforschung der psychologischen Mechanismen, die der besonderen Depressogenität sozialer Zurückweisung zugrunde liegen, ist dennoch als bisher vergleichsweise unzureichend und wenig theoriegeleitet zu bewerten. Unter Bezugnahme auf die Konsistenztheorie nach Grawe (1998; 2004) wurden daher in der vorliegenden Arbeit motivationale Grundlagen sowie kognitive und affektive Prozesse, die mit sozialer Zurückweisung einhergehen, näher untersucht. Von zentralem Interesse war dabei das kognitiv-affektive Vermeidungsschema Interpersonale Zurückweisungssensibilität (Downey & Feldman, 1996) sowie die Rolle der selbstreflexiven Emotion Scham (Tangney & Dearing, 2002). Neben einer Untersuchung der spezifisch interpersonalen motivationalen Grundlagen (Grosse Holtforth et al., 2011) dieses Vermeidungsschemas waren kurz- und längerfristige Auswirkungen von Zurückweisungssensibilität auf Variablen der psychischen Gesundheit mit dem Ziel eines umfassenderen Verständnisses der durch soziale Zurückweisung initiierten und aufrechterhaltenen depressionsspezifischen Prozesse von Interesse. Erstmals wurden die oben angeführten Zusammenhangsmuster zudem in einem deutsch-chilenischen Kulturvergleich auf individueller Ebene untersucht. Hierfür wurde das konsistenztheoretische Modell um kulturell überformte persönliche Werthaltungen (Schwartz, 1992) erweitert. Die Erfassung kulturvermittelnder Variablen auf Ebene der Individuen begegnet dabei der Kritik einer übergeneralisierenden Interpretation kultureller Unterschiede auf psychologischen Variablen einzig im Licht von a priori angenommenen individualistischen bzw. kollektivistischen Orientierungen auf nationaler Ebene (Fiske, 2002). Zur Überprüfung der sich ergebenden Fragestellungen wurden drei Teilstudien durchgeführt. Methode: Zur Überprüfung der kulturvergleichenden Fragestellungen (Teilstudie A) wurde eine Fragebogenuntersuchung an n = 48 deutschen und n = 36 chilenischen gesunden und depressiven Probandinnen durchgeführt. Neben Zurückweisungssensibilität (RSQ; Staebler et al., 2011a) und Schamneigung (TOSCA; Kocherscheidt et al., 2002) wurden persönliche Werthaltungen (PVQ; Schmidt et al., 2007), interpersonale Motive (IIM; Thomas et al., 2012b) sowie die Allgemeine Depressionsskala (ADS; Hautzinger & Bailer, 1993) und das Beck Depressionsinventar (BDI; Hautzinger et al., 1995) erhoben. Zu diesem Zweck waren das IIM (Exkurs 1) und der RSQ (Exkurs 2) vorab in jeweils eigenen Evaluationsstudien für die chilenische Stichprobe adaptiert worden. Zur Überprüfung von kurzfristigen Auswirkungen von Zurückweisungssensibilität (Teilstudie B) wurden n = 87 deutsche Probandinnen randomisiert einer von zwei experimentellen Bedingungen (Exklusion/Inklusion im Cyberball-Paradigma) zugewiesen. Neben den beschriebenen Fragebögen wurden vor und nach der Manipulation die aktuelle Emotionalität und Depressivität sowie nach der Manipulation Verhaltensintentionen abgefragt. Vorab war ein Messinstrument zur Erfassung der momentanen Depressivität (Exkurs 3) entwickelt und evaluiert worden. Im Rahmen einer Follow-Up-Fragebogenuntersuchung (Teilstudie C) wurden an n = 59 Probandinnen längerfristige Auswirkungen von Zurückweisungssensibilität untersucht. Neben dem RSQ und der ADS kam dabei eine eigens für die vorliegende Fragestellung adaptierte Liste mit Lebensereignissen zum Einsatz. Ergebnisse: Es ergaben sich für Chile stärker ausgeprägte selbst-überwindende Werthaltungen, für Deutschland hingegen stärker ausgeprägte selbst-erhöhende Werthaltungen. Die Werthaltungen standen nicht in Bezug zu depressiven Symptomen. Es ergaben sich keine nationalen Unterschiede in Zurückweisungssensibilität, allerdings zeigte sich, dass Scham nur in der deutschen, nicht jedoch in der chilenischen, Stichprobe mit Depression assoziiert war. Beide Variablen standen in spezifischer Weise mit dem interpersonalen Motiv Verschlossenheit in Verbindung. Es ergab sich kein Effekt der Zurückweisungssensibilität auf Veränderungen in der Emotionalität und Depressivität in Abhängigkeit von der experimentellen Bedingung. Zurückweisungsbezogene Lebensereignisse korrelierten in spezifischer Weise mit Zurückweisungssensibilität und Depressivität, der Zusammenhang zwischen den Lebensereignissen und depressiven Symptomen wurde über Zurückweisungssensibilität vermittelt. Diskussion: Die Ergebnisse passen sich größtenteils gut in die aus dem konsistenztheoretischen Rahmenmodell abgeleiteten Überlegungen ein, allerdings kann die Erweiterung des Modells um Werthaltungen in Frage gestellt werden. Auch wenn sich die Kulturunterschiede in den Werthaltungen gut in bestehende Kulturtheorien einpassen, bleibt ihr Erklärungswert für konkretes Erleben und Verhalten unklar. Die interpersonalen Motive scheinen hier durch einen engeren Bezug zu spezifischen Situationen einen höheren Erklärungswert zu haben. Die Ergebnisse der experimentellen Studie sprechen nicht für einen unmittelbaren Effekt von Zurückweisungssensibilität auf das Erleben und Verhalten bei sozialem Ausschluss, was jedoch der konkreten Operationalisierung geschuldet sein könnte. Langfristig scheint Zurückweisungssensibilität maladaptive Konsequenzen für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Depressionen zu haben.

Translation of abstract (English)

Objective: Among the different risk factors of depressive disorders, critical life events (Hammen, 2005), especially events including social rejection (Kendler et al., 2003), seem to be particularly important, yet psychological mechanisms underlying this particular depressogenity remain poorly investigated. Theoretically grounded in Consistency Theory (Grawe, 1998; 2004), in the present thesis motivational, cognitive and affective processes associated with social rejection were examined. The cognitive-affective processing variable Interpersonal rejection sensitivity (Downey & Feldman, 1996) as well as the self-conscious emotion shame (Tangney & Dearing, 2002) were central constructs of interest. Besides the motivational basis of rejection sensitivity (RS), short- and long-term consequences of RS for mental health were investigated. For the first time, RS and its associations were further examined in a cross-cultural comparison between Chile and Germany. To this end, assumptions of Consistency Theory were expanded through integrating culturally transmitted personal values (Schwartz, 1992) into the model. By assessing cultural variables on the level of individuals the criticism of oversimplifying the interpretation of cultural differences only in the light of national levels on individualism/collectivism (Fiske, 2002) was faced. To answer research questions, three interconnected studies were conducted. Methods: Cross-cultural research questions were examined in a questionnaire study (study A) with n = 48 german and n = 36 chilean depressed and healthy subjects. Besides RS (RSQ; Staebler et al., 2011a) and shame proneness (TOSCA; Kocherscheidt et al., 2002), personal values (PVQ; Schmidt et al., 2007), interpersonal motives (IIM; Thomas et al., 2012b) as well as depressive symptoms (ADS; Hautzinger & Bailer, 1993 and BDI; Hautzinger et al., 1995) were assessed. For this purpose, IIM (Excursus 1) and RSQ (Excursus 2) were adapted and psychometrically evaluated for chilean samples. To investigate short-term consequences of RS (study B) the Cyberball paradigm was used. N = 87 german subjects were randomized into either a social exclusion or a social inclusion condition. Momentary emotional states, momentary depressive symptoms, and behavioral reaction tendencies were assessed pre and post experimental manipulation. To assess momentary depressive symptoms, a new instrument was conducted and evaluated beforehand (Excursus 3). Long-term consequences of heightened RS were examined in a follow-up questionnaire study (study C) with n = 59 subjects. Besides RSQ and ADS an especially adapted list of rejection-related life events was administered. Results: Chileans showed higher self-transcendent values, whereas Germans showed higher self-enhancing values. Values were not correlated to depressive symptoms. No national differences on RS were found. Shame proneness was only correlated with depressive symptoms in the German sample, but not in the Chilean sample. Both constructs were particularly associated with the interpersonal motive Verschlossenheit (A-/C-; FG). There was no effect of RS on changes in emotional states and depressive symptoms due to experimental condition. The long-term effect of rejection-related events on depressive symptoms was mediated by RS. Discussion: Results fit mainly with Consistency Theory assumptions; the value of expanding the model by integrating a cultural dimension can be questioned. Although cross-cultural differences in personal values fit well with established cultural theories, their ability to explain cultural differences in concrete mental processes was rather poor. Perhaps due to their more specific formulation, interpersonal motives seem to have a greater impact in this regard. Although results of the experimental study didn’t show a direct influence of RS on short-term consequences of social exclusion, specifics of the concrete operationalization should be taken into account for a more complete understanding. Results of the follow-up study showed that RS seems to have maladaptive consequences for the generation and maintenance of depressive disorders on the long run.

Item Type: Dissertation
Supervisor: Kämmerer, Prof. Dr. Annette
Date of thesis defense: 28 April 2015
Date Deposited: 21 May 2015 08:34
Date: 2015
Faculties / Institutes: The Faculty of Behavioural and Cultural Studies > Institute of Psychology
Subjects: 150 Psychology
Controlled Keywords: Depression, Zurückweisung, Scham, Kulturvergleich
Uncontrolled Keywords: Konsistenztheorie, Zurückweisungssensibilität, persönliche Werthaltungen, interpersonale Motive, rejection sensitivity, personal values, interpersonal motives, interpersonal Circumplex
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