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et subito lupus factus est: Linguistische und metrische Untersuchungen zu Petrons Werwolfgeschichte (Petron. 61-62)

Becker, Niels

English Title: et subito lupus factus est: A Linguistic and Metrical Analysis of Niceros' Werewolf Story in Petronius' Satyrica (Petron. 61-62)

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PDF, German
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Abstract

Zu den eindrucksvollsten Passagen in Petrons Satyrica zählt ohne Zweifel die von Niceros erzählte Werwolfgeschichte (61, 3 - 62, 14). Doch im Gegensatz zu den längeren Novellen über die Witwe von Ephesus und den Knaben von Pergamon hat diese Erzählung in der Forschung bisher vergleichsweise wenig Beachtung gefunden. Mehr noch als für die Untersuchung literaturwissenschaftlicher Aspekte gilt dies für die sprachwissenschaftliche Analyse des von Niceros verwendeten Lateins. In der vorliegenden Studie wird daher erstmals die Sprache der Werwolfgeschichte einer umfassenden Untersuchung unterworfen, wobei alle Ebenen des linguistischen Systems (Phonologie, Lexik, Morphosyntax) Berücksichtigung finden. Im Zentrum aller Untersuchungen steht die Frage nach der Abweichung der einzelnen sprachlichen Merkmale von der Norm des literarischen Lateins und der urbanen Ausdrucksweise der Gebildeten. Um zu möglichst belastbaren Aussagen zu gelangen, werden die linguistischen Gegebenheiten der Werwolfgeschichte mit der Situation in den übrigen – vulgärsprachlichen wie urbanen – Partien des Romans, in den Werken anderer lateinischer Autoren und in den romanischen Sprachen verglichen. Über die außerliterarische Verbreitung bestimmter Merkmale erteilen die pompejanischen Inschriften und die Briefe des Claudius Terentianus Auskunft. Die Untersuchung des Textes beschränkt sich jedoch nicht auf rein linguistische Aspekte, sondern berücksichtigt auch die literarische Verfasstheit der Werwolf-Novelle und den situativen Kontext, in dem sie erzählt wird. In einer ergänzenden metrischen Analyse wird erstmals die von Petron in der Werwolfgeschichte verwendete Satzschlusstechnik untersucht.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Niceros' Ausdrucksweise – trotz ihres unverkennbar volkssprachlichen Charakters, der sich vor allem im Bereich der Lexik zu erkennen gibt – deutlich weniger von den Normen des literarischen Lateins abweicht als die Sprache der anderen Freigelassenen. Gerade im Bereich der Morphosyntax weist die Werwolfgeschichte mehrere Beispiele für einen auffallend urbanen Sprachgebrauch auf. Der Grund für diese eigentümliche Mischung volkssprachlicher und urbaner Charakteristika ist der situative Kontext, in dem die Novelle erzählt wird: Niceros fürchtet sich davor, von den sozial wie intellektuell überlegenen scholastici verlacht zu werden (timeo istos scholasticos, ne me [de]rideant [61, 4]). Er bemüht sich daher – im Rahmen seiner begrenzten sprachlichen Möglichkeiten – um eine möglichst gewählte Ausdrucksweise und versucht so, seine Souveränität als Erzähler gegenüber den scholastici zu betonen. Vor diesem Hintergrund erscheinen die literarische und die sprachliche Form des Textes als zwei Aspekte einer – im sprachwissenschaftlichen Sinne – pragmatischen Reaktion auf eine von sozialer und intellektueller Ungleichheit geprägte Vortragssituation. Niceros' Ausdrucksweise ist die logische Folge einer situativ bedingten Modifizierung seiner grundsätzlich volkssprachlichen Ausdrucksweise. Die metrische Analyse des Textes ergibt, dass die Werwolfgeschichte – anders als Bret Boyce in seiner Monographie über die Spache der Freigelassenen behauptet – keine signifikant hohe Zahl akzentuierender Klauseln enthält.

Die Studie wurde im Sommer 2014 abgeschlossen.

Translation of abstract (English)

This study is the first to offer a comprehensive linguistic analysis of the werewolf story told by the freedman Niceros in Petronius' Satyrica (Petron. 61-62). Taking into account all levels of the linguistic system (phonology, vocabulary, morphology, syntax), Niceros' language use is described against the backdrop of the rest of the Satyrica, the works of other Latin authors, non-literary sources such as the inscriptions in Pompeii, and the situation in the Romance languages.

The result of this analysis is that while Niceros' Latin is clearly tainted by popular (or 'vulgar') traits, it deviates far less from the standards of literary Latin than the language of the other freedmen. Especially in the domain of morphosyntax it is characterized by a number of conspicuously urbane features. The reason for this peculiar mix of the popular and the urbane is the situational context in which the werewolf novella is told. Niceros is afraid of being derided by the socially and intellectually superior scholastici who are listening to him (timeo istos scholasticos, ne me [de]rideant [61, 4]). This state of anxiety explains why he is so eager to stretch his limited linguistic capacities to their fullest and assert his authority as a narrator. Niceros' linguistic behaviour is thus best described as the logical outcome of the socially and situationally conditioned modification of his usual language use, which, by default, is popular (or 'vulgar') in nature. The metrical analysis of the text reveals that – contrary to the assertion made by Bret Boyce in his monograph on the language of the freedmen – the werewolf story does not display a significantly high number of accentuated clausulae.

This study was completed in the summer of 2014.

Item Type: Article
Date Deposited: 22 May 2017 08:28
Date: 2017
Faculties / Institutes: Philosophische Fakultät > Seminar für klassische Philologie
Subjects: 400 Linguistics
470 Italic Latin
800 Literature and rhetoric
870 Italic literatures Latin
Controlled Keywords: Petronius, Arbiter, Werwolf, Satyrica. Cena Trimalchionis, Linguistik, Phonologie, Morphologie, Wortschatz, Syntax, Vulgärlatein, Latein, Metrik, Umgangssprache, Historische Sprachwissenschaft, Literatur, Literaturwissenschaft
Uncontrolled Keywords: Petronius; Satyrica; Cena Trimalchionis; Werwolf; Petron. 61-62; Sprache; Linguistik; Sprachwissenschaft; Metrik; cursus; Klauseln; Phonologie; Morphologie; Syntax; Lexik; Niceros; Volkssprache; Umgangssprache; Vulgärlatein
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