Directly to content
  1. Publishing |
  2. Search |
  3. Browse |
  4. Recent items rss |
  5. Open Access |
  6. Jur. Issues |
  7. DeutschClear Cookie - decide language by browser settings

Die Gesetzgebung zum assistierten Suizid (§217 StGB) in Deutschland: Ethischer Diskurs, politische Debatte und mediale Inszenierung

Schlager, Celine

[img] PDF, German - main document
Download (2MB) | Terms of use

Citation of documents: Please do not cite the URL that is displayed in your browser location input, instead use the DOI, URN or the persistent URL below, as we can guarantee their long-time accessibility.

Abstract

Diese Arbeit reflektiert die gesellschaftliche Entwicklung und die veröffentlichte Meinung zur Frage nach der Zulässigkeit des ärztlich assistierten Suizids anhand der medialen Berichterstattung, der politischen Debatte und des ethischen Diskurses zu diesem mehrdimensionalen Themenkomplex sowie die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Tätigkeit des Arztes. Sie untersucht das Gesetzgebungsverfahren zur strafrechtlichen Sanktionierung der geschäftsmäßig betriebenen Suizidassistenz (§ 217 StGB) in der Bundesrepublik Deutschland. Hintergrund ist die vom Bundestag im Jahre 2015 beschlossene Rechtsnorm, die das Ziel verfolgt, eine Etablierung der geschäftsmäßigen Sterbehilfe in Deutschland zu verhindern. Eine Gesetzesinitiative der Bundesregierung machte dieses Thema in den Nachrichten sowie der Fachpresse von 2012 an dauerhaft präsent. Zugleich wurde mit dem Thema eine ethische, nicht selten auch eine moralisierende Diskussion angestoßen, die auch das Selbstverständnis des Arztes und dessen Bild in der Öffentlichkeit betrifft. Neben einer zeithistorischen Aufarbeitung der strafrechtlichen Relevanz des (assistierten) Suizids werden die Inhalte der 2015 vorgelegten vier Gesetzentwürfe einer juristischen, ethischen und philosophischen Reflexion unterworfen. Ein weiterer Schwerpunkt der Dissertation liegt in der Darstellung der Berichterstattung in den Medien, die das Gesetzgebungsverfahren begleitete sowie in der Analyse, ob und in welcher Form die Berichterstattung Tendenzen aufweist, die zu einer mittelbaren Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu diesem Thema geführt haben könnten. In den jeweiligen Abschnitten der Dissertation finden dabei der Arztberuf und die Berufsausübung der Ärzte besondere Berücksichtigung. Durch die Analyse der politischen Willensbildung, der unterschiedlichen ethischen Blickwinkel sowie der medialen Berichterstattung bietet die Dissertation eine umfassende Zusammenschau der Entwicklung der deutschen Gesellschaft und ihrer Ärzteschaft beim Thema des assistierten Suizids. Das Ergebnis der Arbeit zeigt, dass es für die Schaffung des § 217 StGB keine strafrechtliche Notwendigkeit gab, sondern dass gesellschaftspolitische Vorstellungen eine tragende Rolle spielten. Die Rolle der Medien in Hinblick auf das Gesetzgebungsverfahren war durchaus richtungweisend für die Meinungsbildung in der Bevölkerung und damit zugleich „Wegbegleiter“ der Politik. Schließlich sollte das neue Gesetz die divergierenden Ansichten in der Gesellschaft reflektieren, da die Schaffung des § 217 StGB weniger strafrechtlich als vielmehr gesellschaftspolitisch motiviert war. Durch die Fülle an tendenziöser Berichterstattung der Medien zugunsten der Befürworter des assistierten Suizids war eine mediale Beeinflussung durch durchaus vorhanden. Das Gesetzgebungsverfahren war in berufspolitischer Hinsicht vor allem für die Ärzteschaft von erheblicher Bedeutung. Obgleich Umfragen in der Bevölkerung zeigen, dass diese in Folge des gesellschaftlichen Wertewandels der letzten Jahrzehnte einem ärztlich assistierten Suizid tendenziell liberal und tolerant gegenübersteht, hatte sich das Selbstbild und das Selbstverständnis der Ärzteschaft bis dahin nicht entsprechend verändert. Die Bundesärztekammer, die das Leitbild des Berufsethos prägt, spricht sich nach wie vor klar gegen den ärztlich assistierten Suizid aus. Soweit Ärzte gleichwohl (aktive) Sterbehilfe leisten, sehen diese sich aufgrund des neuen § 217 StGB nunmehr strafrechtlichen Risiken ausgesetzt. In Bezug auf die Ausübung des Arztberufes wird es daher auf längere Sicht vermutlich zu tiefgreifenden Veränderungen in der Arzt-Patienten-Beziehung kommen.

Item Type: Dissertation
Supervisor: Bauer, Prof. Dr. med. Axel W.
Place of Publication: Heidelberg
Date of thesis defense: 16 July 2019
Date Deposited: 16 Jan 2020 07:38
Date: 2020
Faculties / Institutes: Medizinische Fakultät Mannheim > Department „History, Philosophy, and Ethics in Medicine"
Controlled Keywords: Ethik in der Medizin, Geschichte, Assistierter Suizid, Sterbehilfe, Suizid, Sterbehelfer, Medizinethik
About | FAQ | Contact | Imprint |
OA-LogoDINI certificate 2013Logo der Open-Archives-Initiative