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Ausländische Direktinvestitionen und Welthandelsordnung

Panetta, Frank

English Title: Foreign Direct Investment and the World Trade Organisation

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PDF, German
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Abstract

Angesichts der Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen in den globalen Wirtschaftsbeziehungen ist ein multilaterales Investitionsabkommen (MAI) zwingend notwendig. Dieses sollte die Liberalisierung der Etablierung und des operativen Geschäfts ausländischer Investoren induzieren wie auch deren umfassenden Schutz vor Enteignung gewährleisten. Die investitionsbezogenen Bestimmungen der relevanten WTO-Verträge werden diesen Anforderungen in unterschiedlichem Maße gerecht. In der Warenhandelssphäre adressiert nur das Agreement on Trade-Related Investment Measures (TRIMS-Abkommen) investitionsrelevante Aspekte direkt. Die Reichweite des Abkommens ist jedoch gering. Unter Berufung auf zwei Bestimmungen des GATT, dem Verbot quantitativer Beschränkungen und dem Gebot der Inländerbehandlung, werden sechs Restriktionen des operativen Geschäfts untersagt und mit der Verpflichtung belegt, sie binnen definierter Fristen abzubauen. Bestimmungen zur Liberalisierung der Niederlassung oder zum Schutz ausländischer Investoren vor Enteignung weist das Abkommen nicht auf. In der Sphäre des Dienstleistungshandels ist der investitionspolitische Status quo ein anderer. In der Erbringungsart der Commercial Presence begründet, intendiert das General Agreement on Trade in Services (GATS) neben der Außenhandelsliberalisierung auch die Liberalisierung und den Schutz dienstleistungsbezogener Direktinvestitionen. In seinen investitionsbezogenen Bestimmungen kommt es daher, trotz konzeptioneller Schwäche, den Anforderungen an ein multilaterales Investitionsabkommen inhaltlich sehr nahe. Auch die potentielle investitionspolitische Reichweite der beiden Abkommen divergiert stark. Das TRIMS-Abkommen, als ein Handelsabkommen konzipiert und auch umgesetzt, definiert lediglich die Behandlung, die dem Endprodukt der Wertschöpfungsaktivitäten des Investors, seiner Handelsware, zu gewähren ist. Rechte des ausländischen Investors, so das Recht auf Etablierung oder auf Schutz vor direkter oder indirekter Enteignung, werden sich auch zukünftig nicht ableiten lassen. Das Erweiterungspotential des Abkommens beschränkt sich daher grundsätzlich auf die Liberalisierung des operativen Geschäfts. Indes sind auch hier keine substantiellen Vertragserweiterungen zu erwarten, da für jede zu untersagende Maßnahme ein hinreichend großer Handelseffekt nachzuweisen ist. Dieser Nachweis ist nur in Ausnahmefällen möglich. Die Gleichstellung der Erbringungsarten des Cross Border Supply und der Commercial Presence neutralisiert hingegen die exklusiv handelspolitischen Zielsetzungen des GATS so vollständig, daß dieses Handels- und Investitionsabkommen ist. Grundsätzlich ist es daher möglich, alle Anforderungen eines MAI in das GATS zu integrieren. Auch die konzeptionelle Schwäche des GATS steht dem nicht entgegen. Komplexität und Dynamik des WTO-Systems wie auch die Vielfalt der Verhandlungspositionen sind so groß, daß das Beharrungsvermögen einzelner Systembestandteile überwunden werden kann. Gegenwärtige und potentielle Reichweite der Verträge der Waren- und Dienstleistungssphäre divergieren in investitionspolitischer Hinsicht also erheblich. Unter der Zielsetzung diese Asymmetrien zu beheben, könnten in der gegenwärtigen Struktur des WTO-Systems zwei Alternativen in Betracht gezogen werden. Es bestünde zum einem die Möglichkeit, die Reichweite der investitionsbezogenen Bestimmungen des GATS auf die des TRIMS-Abkommens zu reduzieren. Zum anderen könnte versucht werden, mit dem Hinweis auf den Handelseffekt jeder investitionspolitischen Maßnahme die Investitionsthematik in die Warenhandelsverträge zu integrieren. Beide Möglichkeiten sind zu verwerfen. Die erste Alternative eliminierte die investitionspolitischen Fortschritte der Uruguay-Runde, die zweite Alternative wäre ein Hilfskonstrukt, das das grundsätzliche Dilemma des WTO-Systems, dessen Handelszentrismus, konservierte. Die Eliminierung der investitionspolitischen Asymmetrien ist somit in den bestehenden Vertragsstrukturen nicht sinnvoll möglich. Da auch eine horizontale Ausweitung des GATS auf die Sphäre des Warenhandels u.a. aufgrund der konzeptionellen Schwäche dieses Abkommens nur bedingt zielführend wäre, ist es unumgänglich, den Zwang bzw. die Gelegenheit der mangelnden Alternative nutzen, den Handelszentrismus des globalen Ordnungsrahmens zu überwinden und die Welthandelsordnung in eine Weltwirtschaftsordnung zu überführen. Dies setzte vier Schritte voraus: 1. Bereinigung der multilateralen Handelsordnung um sachgebietsfremde Aspekte 2. Ergänzung der Handelsordnung um ein eigenständiges multilaterales Investitionsabkommen und eine multilaterale Wettbewerbsordnung 3. Revision der nationalen und multilateralen Einflussbereiche 4. Neudefinition der Rechtsstellung nicht-staatlicher Wirtschaftssubjekte Mit Umsetzung dieser Maßnahmen würde der Transformationsprozess der Uruguay-Runde abgeschlossen und der multilaterale Ordnungsrahmen den Gegebenheiten einer globalisierten Welt angepasst.

Translation of abstract (English)

The globalized world economy needs a multilateral agreement on investment (MAI) that liberalizes foreign direct investment and provides protection against expropriation. However, the investment-related provisions of the relevant WTO agreements meet these requirements to very different degrees. As far as trade in goods is concerned, only the TRIMS agreement directly addresses investment aspects. However, in comparison with the demands on an MAI, the present investment-related scope of the TRIMS agreement is very limited, as it prohibits only six restrictions on the operations of foreign investors. It does not include any regulations relating to the freedom of establishment or protection against expropriation. The present investment-related scope of the GATS, the only multilateral agreement on trade in services, is far-reaching by contrast. As stipulated in the so-called commercial presence mode of supply, one intention of the GATS is to achieve comprehensive liberalization as well as protection against direct or indirect expropriation for service-related direct investments. Hence, it comes very close to the demands made on an MAI (in services). Similarly, the potential investment-related scope of the two agreements diverges considerably. Due to its focus on international trade, the investment-related potential of the TRIMS agreement limits itself to a further liberalization of some aspects of foreign investor operations. It will, however, never be possible to cover aspects such as the freedom of establishment or the protection against expropriation. In terms of the foreign investor operations, no major extensions to the agreement are to be expected. Again, in terms of its potential scope, the GATS is different. The fact that commercial presence and cross border supply are treated as equivalent modes of supply completely eliminates the trade policy focus of the GATS, turning it into a de facto agreement on trade and investment. For this reason it is possible, in principle, to deal with all the investment-related aspects as part of the GATS. Although imperative, it is not possible within the present structures of the WTO system to correct this lack of symmetry in the potential investment-related scope of the two agreements. It is therefore necessary to widen the focus of the WTO architecture, converting the world trade system into a world economic system. This would require the following actions: 1. Streamlining the system of multilateral agreements on trade, removing from it all non-core provisions 2. Expanding the WTO system to include a multilateral (stand-alone) agreement on investment and a multilateral (stand-alone) agreement on competition 3. Revising national and multilateral spheres of influence 4. Redefining the legal status of non-government players in the economy Putting these actions into practice would conclude the transformation process initiated by the Uruguay Round and bring the WTO system into line with the requirements of a globalized economy.

Item Type: Dissertation
Supervisor: Gans, Prof. Dr. Oskar
Date of thesis defense: 13 February 2003
Date Deposited: 06 Mar 2003 12:29
Date: 2001
Faculties / Institutes: The Faculty of Economics and Social Studies > Alfred-Weber-Institut for Economics
Subjects: 330 Economics
Controlled Keywords: Internationale Wirtschaftspolitik, Ordnungspolitik, World Trade Organization, Multilateral agreement on investment
Uncontrolled Keywords: Investitionspolitische Reichweite der WTO-Verträge , Investitionspolitisches Potential der WTO-VerträgeWTO , MAI
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