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Der Jude nach der Shoah : zur Rezeption des Kaufmann von Venedig auf dem Theater der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik 1945-1989

Monschau, Jörg

English Title: The Jew after the Shoah : the reception of William Shakespeares The Merchant of Venice on the stages of the Federal Republic of Germany and the German Democratic Republic 1945-1989

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Abstract

Das Anliegen der vorliegenden Arbeit ist es, die Entwicklung von William Shakespeares Kaufmann von Venedig im deutschen Sprachraum nachzuzeichnen unter Berücksichtigung der wechselseitigen Beziehung zwischen Theaterkunst und gesellschaftspolitischer Resonanz. Sie soll darüber hinaus einen Beitrag leisten, im Blick auf den gewählten Untersuchungsgegenstand sowohl das belastete Verhältnis zwischen Deutschen christlichen Glaubens und ihren jüdischen Mitbürgern als auch des Verhältnisses zwischen den Theaterlandschaften in einer geteilten Nation während der Ära des Kalten Krieges zu beleuchten und zu analysieren. Sie möchte die verschiedenen dramaturgischen und inszenatorischen Strömungen und Sackgassen aufzeigen, die jedes Nachkriegsjahrzehnt in der Interpretation des Kaufmann von Venedig hervorgebracht hat. Sie möchte außerdem den Einfluss einzelner Künstler mit ihrem teils sehr persönlichen Anliegen an das Stück beleuchten. Und sie möchte nicht zuletzt offen legen, wie einzelne politische oder kulturelle Ereignisse, die gar nicht immer in direktem Bezug zu der Thematik des Dramas stehen müssen, auf dessen Rezeption einwirkten. Denn bei genauerer Betrachtung kann man in dem Konflikt zwischen dem Juden Shylock und dem christlichen Kaufmann Antonio das theatralische Spiegelbild für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Fremden als Außenseiter im Allgemeinen und mit der jüdischen Minderheit in einer christlich geprägten Gesellschaft im Besonderen erkennen. Die Illustration der Rezeptionsgeschichte des Stücks nach dem Krieg erfolgt größtenteils chronologisch. Im Zentrum steht immer die Aufführungsgeschichte in der Bundesrepublik und der DDR, doch es werden auch ausgewählte Inszenierungen aus Österreich und der Schweiz vorgestellt und diskutiert. Zwei Exkurse führen zudem nach Palästina bzw. Israel, um auch den Umgang mit dem Stück und seiner umstrittensten Figur in einer jüdisch geprägten Gesellschaft darzustellen. Um die besondere Bedeutung dieses Dramas in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ermessen zu können, wird zu Beginn der Arbeit die Rolle des Stücks innerhalb der nationalsozialistischen Theater- und Filmpolitik untersucht. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den antisemitischen Filmen des Jahres 1940 (Die Rothschilds, Jud Süß, Der ewige Jude) sowie auf der Inszenierung des Kaufmann von Venedig am Burgtheater in Wien von 1943, in der Lothar Müthel Regie führte und Werner Krauss den Shylock gab. Bei der Illustration der deutschsprachigen Nachkriegsgeschichte des Kaufmann von Venedig wird zuerst das sich neu entwickelnde und sich neu orientierende Theaterleben unmittelbar nach Kriegsende untersucht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Frage, wie in der anfänglichen großen Theatereuphorie das Thema nationalsozialistische Diktatur auf der Bühne behandelt wurde und welche Bedeutung dem Kaufmann von Venedig dabei innerhalb der unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Systeme des bald geteilten Landes zukam. Bei der Betrachtung der fünfziger Jahre wird herausgearbeitet, welche Position das Stück innerhalb einer Reihe anderer Dramen mit jüdischem Thema einnimmt, die zur gleichen Zeit die Bühne und damit auch zu einem gewissen Grad das Judenbild der Zeit bestimmen, wie Lessings Nathan der Weise, Goodrich/Hacketts Das Tagebuch der Anne Frank oder Erwin Sylvanus' Korczak und die Kinder. Beim Blick auf die sechziger Jahre wird diskutiert, welchen Einfluss die neue Dokumentations-Dramatik zur Vergangenheitsbewältigung auf Inszenierungshäufigkeit und konzeptionelle Aspekte des Kaufmann von Venedig hat. Außerdem wird analysiert, welche Auswirkungen die sich im Schatten der Mauer vertiefenden Differenzen zwischen West und Ost auf die Theaterlandschaften der beiden deutschen Staaten haben. Die siebziger Jahre stehen für die ersten Aufführungen der Shakespeare-Komödie in der DDR sowie in der Bundesrepublik für radikalere Inszenierungen im Zuge des "Regietheaters". Das Jahrzehnt, an dessen Ende die deutsche Wiedervereinigung steht, ist in der DDR von charismatischen Künstlern und den allmählich aufweichenden Fronten des Kalten Krieges geprägt. Für die Bundesrepublik wird u.a. aufgezeigt, welchen Einfluss die amerikanische Fernsehserie Holocaust und die verhinderte Uraufführung des Fassbinder-Dramas Der Müll, die Stadt und der Tod auf Konzeption und Rezeption des Kaufmann von Venedig hatte. Eine Zusammenschau, in der die großen konzeptionellen Strömungen des Stücks auf dem deutschen Nachkriegstheater herausgestellt und die bedeutendsten Kaufmann-Inszenierungen auf dem deutschen Theater bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts kurz vorgestellt werden, beschließen die Arbeit.

Translation of abstract (English)

The object of this doctoral thesis is to outline the development in dramaturgy and reception of William Shakespeare's The Merchant of Venice in German-speaking countries taking into account the interrelation between theatrical art and social and political resonance. Further, the thesis shall contribute to examine and analyse on the one hand the relationship between Germans of Christian belief and their Jewish fellow-citizens and on the other hand the relationship between the theatrical landscapes in a divided nation during the Cold War. It aims at showing the different trends and blind alleys of dramaturgy and production which have been brought forth by Merchant of Venice-interpretations in each post-war decade. The thesis also wants to throw light on the influence that various artists have had with their very personal interests in the play. And last but not least it shall discover how different political and cultural events that are not necessarily closely connected with the theme of the play have influenced its reception. If looked at more closely the conflict between Shylock the Jew and the Christian merchant Antonio can be seen as a theatrical reflection of a society's difficulties with strangers and outsiders in general and with the Jewish minority in a mainly Christian society in particular. The development of the play's reception after the war will be described for the most part chronologically. The focus will always be the staging of the play in the Federal Republic of Germany and the GDR, but selected Austrian and Swiss productions will be presented and discussed as well. Furthermore, two brief excursions will lead to the Palestinian respectively Israeli theatre to examine how the play and its most controversial character have been dealt with in a chiefly Jewish society. In order to be able to conceive the significance of this play in Germany after the Second World War, its role in National Socialistic cultural politics will be examined at the beginning of the thesis. Special attention will be directed both at the anti-Semitic films of 1940 (Rothschilds, Jew Süß, The eternal Jew) and at the production of The Merchant of Venice at the Burgtheater in Vienna in 1943 (Director: Lothar Müthel, Shylock: Werner Krauss). The illustration of the post-war history of The Merchant of Venice will start with a description of the theatrical life of the late 1940s and its struggle for a new orientation. The focus will be on how the topic of National Socialism was dealt with during the theatrical enthusiasm of these early years and which part The Merchant of Venice played in the process of coming to terms with the past in the different social and political systems of the soon divided country. The study of the fifties will try to illuminate which position this Shakespearean comedy held in relation to other plays with Jewish themes, as e.g. Lessing's Nathan the Wise, Goodrich/Hackett's The Diary of Anne Frank or Erwin Sylvanus' Korczak und die Kinder (Korczak and the children), that during this period dominated the stage and thereby to a certain degree determined the image of "the Jew". Looking at the sixties it will be discussed what influence the upcoming documentary plays with National Socialistic topics had on the quantity and on dramaturgical aspects of Merchant-productions. Furthermore, it will be analysed which effect the increasing differences between East and West had on the theatrical landscapes of the two Germanies. The seventies stand for the first Merchant of Venice productions in the GDR and for increasingly radical stagings in the Federal Republic of Germany. The following decade that would end with the German reunification at first saw productions of charismatic artists in the GDR and in the course of the years also more and more the effects of the gradually softening front-lines of the Cold War. Moreover, it will be examined to what degree the dramaturgy as well as the reception of West German Merchant-productions were influenced by the US television series Holocaust and by R. W. Fassbinder's play Der Müll, die Stadt und der Tod, which aroused a storm of protest when it was to be premiered in Frankfurt/M. in 1985. In a final conclusion the main dramaturgical currents of Merchant-productions on the German post-war stage will be pointed out and the most important stagings of the play up to the beginning of the 21st century will be briefly described.

Item Type: Dissertation
Supervisor: Meller, Prof. Horst,
Date of thesis defense: 21 May 2003
Date Deposited: 23 Jun 2003 15:28
Date: 2002
Faculties / Institutes: Neuphilologische Fakultät > Anglistisches Seminar
Subjects: 420 English
Controlled Keywords: Shakespeare, William, Shakespeare, William / The merchant of Venice, Shylock
Uncontrolled Keywords: Theater in der Bundesrepublik Deutschland , Theater in der DDRShakespeare, William , The Merchant of Venice , Shylock , German Theatre
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