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Die Marstempelthese: Dante, Villani, Boccaccio, Vasari, Borghini; die Geschichte vom Ursprung der Florentiner Taufkirche in der Literatur des 13. bis 20. Jahrhunderts

Straehle, Gerhard

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Abstract

Die im Dezember 2001 in Buchform erschienene ‚Marstempelthese’ ist eine rezeptionsgeschichtliche Studie über das Florentiner Baptisterium unter ätiologischen Gesichtspunkten und gleichzeitig ein Stück Geistes- und Forschungsgeschichte von Florenz. Die Studie hat die ‚Marstempelthese’ zum Hauptgegenstand, eine patriotische Theorie oder Legende über die ursprüngliche Entstehung des Florentiner Baptisteriums als Marstempel, eine Gründungslegende, welche Florentiner Chronisten, Geschichtsschreiber und Forscher seit dem 14. Jahrhundert an das Baptisterium ihrer Vaterstadt knüpften. Nach einem kürzeren Einleitungs-Kapitel zur Rezeption des Florentiner Baptisteriums im 13. Jahrhundert beschäftigen sich die Kapitel 2-4 ausführlich mit der im 14., 15. und 16. Jahrhundert vorherrschenden ‚Marstempelthese’, welche von Giovanni Villani zu Beginn des 14. Jahrhunderts erfunden und in seiner Chronik niedergelegt, von Boccaccio in seiner Deutung von Dantes Divina Commedia aufgegriffen, von vielen Humanisten im 15. Jahrhundert propagiert, im 16. Jahrhundert von Vasari in einem Deckengemälde des Palazzo Vecchio dargestellt und vom Berater Herzog Cosimos I., Borghini, im Versuch einer gelehrten Begründung affirmativ verteidigt worden ist. Das Kapitel 5 konzentriert sich dann auf die Gestalt des Leopoldo del Migliore, dessen Ausführungen zum Baptisterium trotz ihrer Widersprüchlichkeit eine Kritik des Mythos beinhalten und den Beginn einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Florentiner Taufkirche darstellen, während die folgenden Kapitel 6 und 7 sich der Herausbildung einer genuin kunstgeschichtlichen Betrachtung des Bauwerks widmen und Kapitel 8 den Stand der Forschung zur Baugeschichte der Florentiner Taufkirche abschließend resümiert. Vor dem Hintergrund der modernen Forschung, welche das Florentiner Baptisterium heute als eine erste Form der ‚Antikenrezeption’ unter dem Namen einer ‚Protorenaissance’ begreift und seine Entstehung baugeschichtlich ins 11. und 12. Jahrhundert datiert, lautet eine zentrale Frage der Studie, ob die Renaissancearchitekten, und hier vor allem Brunelleschi, welcher Formen dieses Bauwerks für seine eigenen Entwürfe adaptierte, diesen Bau nun für original-antik gehalten haben oder ob sie sich bewusst gewesen sind, dass dieser Bau selbst eine erste mittelalterliche Antikenrezeption darstellte. Die Antwort, welche die vorliegende Studie auf diese Frage gibt, lautet, dass die Florentiner Geschichtsschreiber und Patrioten sich des mittelalterlichen Ursprungs ihrer Taufkirche sehr wohl bewusst waren, dass sie aber als Patrioten die Erfindung des Chronisten Villani umso lieber verbreiteten, als der eigene Nationalstolz die Gründung ihrer Stadt in antiker Zeit - für sich genommen eine historische Tatsache - auch durch einen repräsentativen Staatsbau dokumentiert sehen wollte. Als Bauhistoriker und sachverständige Architekten aber erkannten sie, dass der Bau nicht original antik sein könne (u.a. weil antike Spolien an diesem Bau ganz unklassisch verbaut sind), weshalb sie - dies wird in der Abhandlung u.a. ausführlich an Vasari dargelegt - in ihren panegyrischen Äußerungen zum antiken Charakter des Baus sich in unlösbare Widersprüche verwickelten, welche schließlich zur Destruktion und Aufgabe der ‚Marstempelthese’ führten.

Document type: Book
Date: 2001
Version: Primary publication
Date Deposited: 23 May 2008 11:27
Faculties / Institutes: Research Project, Working Group > Individuals
DDC-classification: Architecture
Controlled Subjects: Florenz / Baptisterium, Geschichte 1200-2000
Subject (classification): Architecture
Countries/Regions: Italy