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Hortus Eystettensis. Studien zur Entstehung des Kupferstichwerks und zum Exemplar des Andrea Vendramin

Hofmann, Mara ; Zöhl, Caroline

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PDF, German
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Abstract

Der 1613 auf Initiative des Nürnberger Apothekers Basilius Besler für Fürstbischof Johann Conrad von Gemmingen gedruckte Hortus Eystettensis gehört zu den größten Buchprojekten des deutschen Barock und manifestiert zugleich einen Wandel der botanischen Illustrationskunst. Während Pflanzenbücher zuvor wissenschaftlichen Zwecken dienen sollten, wobei Bilder den Text veranschaulichen sollten, versteht sich der monumentale Hortus Eystettensis vor allem als ästhetisches Prachtwerk, das auf den Text auch verzichten kann. Die vorliegende Studie widmet sich dem Hortus Eystettensis primär aus kunsthistorischer Perspektive: Sie untersucht das Werk im europäischen Kontext der ästhetischen Entwicklung von Pflanzenzeichnungen, rekonstruiert anhand der Quellen und stilkritischer Analysen die über sechsjährige Planungsgeschichte des Buches von den Vorzeichnungen nach Pflanzenvorlagen über die beteiligten Reißer und Stecher und die Herausbildung des endgültigen Konzepts in mehreren Auflagen bis hin zur Kolorierung der Kupferstiche. Die der Forschung in Frage stehenden Ratgeber, Zeichner, Kupferstecher, Drucker und Maler werden neu diskutiert, wobei die identifizierten Stecher- und Koloristensignaturen hinaus einige weitere, in verschiedenen Stadien des Prozesses beteiligte Künstler – namentlich oder zumindest stilistisch – bestimmt oder neu bewertet werden. In Bezug auf die Planung des Kupferstichwerks stehen vornehmlich drei Zeichnungskonvolute in Frage: das Camerarius-Florilegium (um 1590, Privatbesitz / Erlangen, Universitätsbibliothek, Ms. 2764), das Schedel-Kalendarium (Kew Gardens) und die Reinzeichnungen für den Hortus Eystettensis (Erlangen, Universitätsbibliothek, Ms. 2370). Das Florilegium aus dem Besitz des Nürnberger Arztes und Botanikers Joachim Camerarius d. J, dem man irrtümlich auch die Planung des Kupferwerks zuschrieb, bereiten das künstliche Arrangement des Hortus Eystettensis vor. Der anonyme Künstler lässt sich zugleich als einer der Zeichner in Sebastian Schedels Kalendarium nachweisen, an dem gewiss auch Schedel selbst gezeichnet hat. Schedels Kodex spiegelt den gesamten Entstehungsprozeß des Hortus Eystettensis von Naturstudien, Stilisierung von Pflanzen und Details über stilisierte Zeichnungen in der Art der Kupferstiche. Eingeklebte kolorierte Kupferstiche dokumentieren zudem Schedels Verbindung zur Nürnberger Werkstatt von Georg Mack, die ab 1613 mit der Kolorierung des Hortus Eystettensis betraut war und deren Beteiligung auch an den Vorzeichnungen nachgewiesen wird. Neue Erkenntnisse werden auch zu den Erlanger Reinzeichnungen bezüglich der beteiligten Künstler, ihrer Übertragung auf die Kupferplatten und ihrer Rolle für die Kolorierung in der Mack-Werkstatt präsentiert. Unter den Zeichnern, die wohl alle aus Nürnberg stammten, lässt sich Georg Gärtner sicher identifizieren, doch auch andere bekannte Stecher dürften an den Vorzeichnungen beteiligt gewesen sein, wobei einer der herausragende Zeichner des Camerarius-Florilegiums gewesen sein könnte. Von besonderem Interesse ist in dieser Studie die Vorbereitung und Rezeption des Hortus Eystettensis im europäischen Kontext. So belegt eine Gruppe von Zeichnungskonvoluten in der Universitätsbibliothek in Pisa unmittelbare künstlerische und persönliche Verbindungen zwischen Deutschland und Italien im Umfeld des botanischen Interesses. Eng verwandt mit der künstlichen Wirkung des Hortus ist der 1595 entstandene Kodex Casabona von der Hand des Blumenmalers Daniel Froeschl aus Augsburg, Zwar war Froeschl sicher nicht selbst am Hortus Eystettensis beteiligt, doch belegt die Handschrift einen in Süddeutschland herausbildeten Stil, den Froeschl in Italien parallel weiterentwickelte. Ein weiteres Manuskript in Pisa (Universitätsbibliothek, Ms. 513-514) ist bis 1625 in Deutschland entstanden und erinnert an die diverse Zusammenstellung des Schedel-Kalendariums. Zudem stammt der Kodex aus dem unmittelbaren Umfeld eines der ersten europaweit operierenden freien Kunstagenten, Philipp Hainhofer, möglicherweise von ihm selbst. Hainhofer, der auf seinen Reisen auch Fürstbischof Johann Conrad von Gemmingen besucht hatte, unterhielt enge Verbindungen nach Italien, unter anderem nach Venedig, wo Gabriele und Andrea Vendramin berühmte Sammlungen unterhielten. Im Zuge des allgemeinen Interesses an venezianischen Kunstsammlungen im hatte sich auch Hainhofer 1574 für Wilhelm V. von Bayern um den Erwerb der Sammlung Gabriele Vendramins bemüht. Andrea Vendramin fertigte bis 1627 eigenhändig eine Reihe Katalogen seiner Kunstkammer, zu der auch ein koloriertes Exemplar des Nürnberger Hortus Eystettensis zählte. Dass es sich bei diesen Katalogen wohl nicht, wie von Emil Jakobs vorgeschlagen, um Angebotskataloge für den florierenden Markt handelte, belegen Vendramins große Mühe und Sorgfalt sowie besonders einige undatierte Bände mit Zeichnungen, die er offenbar über längere Zeit als Notizen von Naturerscheinungen festgehalten hatte. Vor diesem Hintergrund erklärt sich Vendramins Interesse an einem deutschen Florilegium vom Rang des Hortus Eystettensis, das er ebenso mit seinem eingeklebten, eigenhändig gezeichneten Wappen versah, wie seine Kataloge. Seine Notizbücher mit Mineralien, Pflanzen etc. erinnern an Blätter in der deutschen Handschrift in Pisa, unter denen mindestens eine von Hainhofer stammt. Hainhofer könnte durchaus der Vermittler des kostbar illuminierten Hortus Eystettensis an Vendramin gewesen sein, doch ausgerechnet dessen Verzeichnis der illustrierten Bücher unter anderem zur Zoologie und Botanik ist 1944 in Warschau verbrannt, so dass eine mögliche Notiz über den Erwerb verloren ist.

Document type: Book
Date: 2003
Version: Primary publication
Date Deposited: 20 Jan 2010 16:17
Faculties / Institutes: Research Project, Working Group > Individuals
DDC-classification: Drawing and decorative arts
Controlled Subjects: Besler, Basilius / Hortus Eystettensis, Pflanzenbuch, Kupferstich, Vendramin, Andrea
Subject (classification): Decorative Arts
Countries/Regions: Italy
Germany, Switzerland, Austria