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Ereigniskonzeptualisierung durch sprachliche Struktur: Eine empirische Untersuchung im Chinesischen und Deutschen

Wei, Lai

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PDF, German
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Abstract

Die vorliegende Dissertation untersucht, inwiefern unterschiedliche sprachliche Strukturen das Construal von Ereignissen beeinflussen. Im Zentrum stehen drei Strukturen, die dasselbe kausative Ereignis kodieren können, nämlich einfache aktive transitive Hauptsätze, Subjekt-Relativsätze und Nominalisierungen im Chinesischen und Deutschen. Ausgehend von der kognitiv-linguistischen Annahme, dass ein und derselbe konzeptuelle Inhalt auf unterschiedliche Weise konstruiert und sprachlich kodiert werden kann und dass zwischen Construal und sprachlicher Kodierung eine enge, wechselseitige Beziehung besteht, wird theoretisch davon ausgegangen, dass sich verschiedene Construals insbesondere darin unterscheiden, welche Komponenten einer Ereignisrepräsentation (Agens, Handlung, Patiens) in den Vordergrund rücken und welche eher in den Hintergrund treten. Zur empirischen Überprüfung wurden drei Experimente mit chinesischen Muttersprachlern durchgeführt, die unterschiedliche methodische Zugänge kombinierten. Die Ergebnisse zeigen, dass die drei untersuchten sprachlichen Strukturen die Ereignisrepräsentation und die Aufmerksamkeitsmuster beeinflussen, indem sie spezifische Ereigniskomponenten unterschiedlich hervorheben. Besonders stabil erwiesen sich Unterschiede zwischen Nominalisierungen und den beiden anderen Strukturen. Unterschiede zwischen Haupt- und Subjekt-Relativsätzen waren dagegen nur eingeschränkt nachweisbar. Darüber hinaus wurde ein viertes Experiment mit deutschsprachigen Versuchspersonen durchgeführt, um zu prüfen, ob die mit den jeweiligen Sprachstrukturen verbundenen Construals sprachübergreifend in vergleichbarer Weise auftreten. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Wortstellung in Subjekt-Relativsätzen. Während das Kopfnomen im Chinesischen satzfinal, im Deutschen jedoch satzinitial erscheint, bleibt die zugrunde liegende semantische Struktur vergleichbar. Die Ergebnisse zeigen, dass trotz der unterschiedlichen linearen Abfolge in Subjekt-Relativsätzen in beiden Sprachen weitgehend ähnliche Blickbewegungsmuster zu beobachten sind. Dies spricht dafür, dass die Aufmerksamkeitslenkung durch die konzeptuelle Profilierung der Ereigniskomponenten gesteuert wird und nicht durch Unterschiede in der Oberflächenstruktur.

Document type: Dissertation
Supervisor: Gerwien, PD Dr. Johannes
Place of Publication: Heidelberg
Date of thesis defense: 2 December 2025
Date Deposited: 20 Mar 2026 08:51
Date: 2026
Faculties / Institutes: Neuphilologische Fakultät > Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie
DDC-classification: 400 Linguistics
430 Germanic
490 Other languages
Controlled Keywords: Ereignis, Kognitive Linguistik, Psycholinguistik, Begriffsbildung, Deutsch, Chinesisch
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