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Die Macht der Bilder und die Bilder der Macht. Versuch zur Genealogie des White Cube

Sack, Philipp

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Abstract

Der White Cube ist das hegemoniale Ausstellungsdispositiv unserer Zeit; er setzt eine Logik der Absonderung ins Werk, die in ihm aufgeführte Dinge in den Status des Sakralen erhebt. Im White Cube ist eine irreduzible Unterscheidung zwischen menschlicher und göttlicher Sphäre wirksam, die dem Betrachter stets seine eigene Ohnmacht angesichts der suggerierten objektiven Erhabenheit der Ausstellungsstücke vor Augen führt. Er erzwingt das Sublime. Die vorliegende Untersuchung hat zum Ziel, den White Cube nicht nur als Ort von Machtwirkungen, von Zwangausübung, zu begreifen, sondern vielmehr am White Cube die Interdependenz von Bild und Macht zu illustrieren, die sich einer Fixierung in bloßen Kausalbeziehungen entzieht. Hierzu wird in einem ersten Schritt der Dispositivcharakter des White Cube, sein Wesen als Machtinstanz, anhand seines reaktionären Authentizitätsstrebens gegen die Dominanz der technischen Reproduzierbarkeit herausgestellt. Aus der Charakterisierung des Galerieraums – sowie des Diskurses über ihn – als Dispositiv folgt die Genealogie als einzig denkbarer methodischer Zugriff; die Beweggründe ihrer Wahl werden in Abgrenzung zum Konzept der Kritik erläutert. Da die Reformationszeit die historische Schwelle markiert, von der an das Bild einen genuinen Kunstcharakter zugesprochen bekommt, und der White Cube eben jenen durchzusetzen sucht, wird im Anschluss an die methodologischen Grundlegungen zunächst das bildtheoretische Schrifttum des frühen Protestantismus auf eventuelle Hinweise auf spätere Entwicklungen untersucht. Ob die simple morphologische Analogie zwischen White Cube und protestantischem Kirchenraum auf einen Bruch mit der präreformatorischen Bildkonzeption zurückzuführen ist, wird in einem gesonderten Kapitel geprüft, welches das Konzept der Säkularisierung neu zu bewerten sucht. Indem diese als bloße Verschiebung des Religiösen in eine andere Sphäre verstanden wird, kann die vorläufige Arbeitshypothese einer ‚Wahlverwandtschaft’ zwischen Protestantismus und modernem, sich im White Cube manifestierenden Bildverständnis zugunsten einer anders gearteten, weiter in die religiöse Tradition des Christentums zurückreichenden Verbindung revidiert werden. Eine elementare Verbindung von Bild und Macht, wie sie im Vorrang des Ethischen vor dem Ästhetischen im protestantischen Schrifttum noch rätselhaft aufscheint, findet sich in den frühesten christlichen Auseinandersetzung um die trinitarische Konzeption Gottes: Das Verfahren, nach dem die göttlichen Hypostasierungen voneinander geschieden werden, ist bereits in den neutestamentarischen Texten angelegt; seine Funktionsweise ist stets eine abbildende. Indem das so identifizierte imaginäre Prinzip des Göttlichen mithilfe eines Exkurses in die Rezeption des theologischen Begriffes, der die Einheit in der Vielheit vorstellbar macht, in Verbindung gebracht wird, wird eine neue Beziehung von bildhaftem Sein und Wirken Gottes erarbeitet. Diese intrinsische Interdependenz von Macht und Bild erlaubt es, den White Cube nicht mehr als bloßes Kunstmedium zu begreifen, sondern in ihm vielmehr ein elementares Paradigma des okzidentalen Modus der Aushandlung von Bild und Macht zu erkennen. Als Ergebnis der genealogischen Untersuchung des White Cube als Raum und Diskurs wird eine Entgrenzung des Konzeptes vorgeschlagen: Jeder Instanz, welche die Aneignung der Welt im Okzident reguliert, liegen die selben Funktionsweisen zugrunde, wie sie im White Cube prototypisch angelegt sind.

Document type: Master's thesis
Date: 2011
Date Deposited: 22 Sep 2011 10:37
Faculties / Institutes: University, Fakulty, Institute > Heidelberg, University, Institute of Art History
DDC-classification: Arts
Controlled Subjects: Ausstellungsbau, Weiß, Ästhetische Wahrnehmung, Ikonoklasmus, Säkularisierung, Byzantinisches Reich, Bilderstreit
Uncontrolled Keywords: White Cube, Technische Reproduzierbarkeit, Kunst der Reformationszeit, Protestantische Ethik, Simulationstheorie, Ökonomie, Trinitätslehre
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