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Odilon Redon und die italienische Renaissance

Bickmann, Isa

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Abstract

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf Leitbilder Odilon Redons (1840 – 1916) aus der italienischen Renaissance. Damit werden wichtige Quellen des Künstlers offenbart sowie grundlegende Gedanken zu Redons Bildkompositionen und Bildfindungen aufgezeigt. Da der französische Symbolist keine Akademie besucht, – er bricht seine Ausbildung bei Jean-Léon Gérôme ab – ersetzt er die fehlende Lehrzeit durch das Eigenstudium vor den Werken alter Meister. Eine Reise nach Italien, wichtiger Bestandteil damaliger Künstlerausbildung, ist ihm erst spät möglich. Demzufolge ist er auf Reproduktionen und die Bestände der französischen Museen angewiesen. Die großen Kunstsammlungen werden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über ein neues Medium erreichbar: Die fotografischen Kunstreproduktionen, mit denen sich Redon nachweislich intensiv beschäftigt, besonders denen der im Elsaß ansässigen Firma Braun, sind eine wichtige Quelle. Weiterhin hat Redon neben dem Austausch mit befreundeten Foto-Sammlern wie Elémir Bourges und Armand Point auch die großen fotografischen Sammlungen in Paris, wie das Haus Giraudon, besucht. Es kann nachgewiesen werden, dass die Kohlezeichung der Maria aus Leonardos Anna Selbdritt nicht nach dem Original im Louvre entstanden ist, sondern nach der fotografischen Reproduktion Brauns einer der Leonardonachfolge zugeschriebenen Zeichnung aus der Wiener Albertina. Die von ihm als „reinere Kunst“ empfundene Zeichnung stellt für Redon eine wichtige Grundlage dar. So beherrscht die Zeichnung einen großen Teil seines Œuvres. Auch nach der „Überwindung“ der „Noirs“, d. h. jener Werkphase, in der er ausschließlich in Schwarzweiß arbeitet, greift er vorwiegend auf ein anderes zeichnerisches Mittel, nämlich den Pastellstift, zurück. Die Freihandkopien nach Zeichnungen alter Meister dienen zu Übungszwecken. Dabei fertigt er viele Umrisszeichnungen an, um die Proportionsvorgaben der Vorlagen zu studieren, was mit Kopien nach Raffael belegt werden kann. Neben diesen sich größtenteils auf die Binnenzeichnung beschränkenden Kopien arbeitet Redon auch detailreiche Nachahmungen aus, um sie zur ständigen Erinnerung, sozusagen als beinahe fotografische Abzüge der Originale, an den Wänden seines Ateliers anzubringen. Dieser kunstgeschichtliche Bildfundus dient ihm als Stimulus für die Bildfindung. Es entstehen Paraphrasen. Bildelemente der Vorlagen werden in eigene Inhalte umgesetzt. Drittes Moment der Rezeption italienischer Vorbilder sind die visuellen Zitate: Dabei setzt Redon Erinnerungen an Meisterwerke in eigene Kompositionen um. Neben den rein bildnerischen Anleihen aus Werken alter Meister sind deren damit verbundene ästhetische Inhalte ebenso von Bedeutsamkeit. Sein Prinzip der „suggestiven Kunst“ glaubt Redon in den Schriften und Werken Leonardos wiederzuentdecken. Damit schließt sich Redon zwar den Zeitgenossen an, die einen „Leonardo-Kult“ betrieben, er entwickelt jedoch immer einen persönlichen Zugang zu den Vorbildern: Die allgemeine Beschäftigung mit Michelangelos „Sterbenden Sklaven“ korrespondiert zwar mit Redons Interessen, wird jedoch nicht sofort umgesetzt, sondern wirkt lange nach, bis sie sich in „Yeux Clos“ von 1890 widerspiegelt. Redon distanziert sich von der Organisation „Rose et Croix“ und weigert sich dort auszustellen. Dessen ungeachtet verehrt er gleichfalls die Meister des Trecento und Quattrocento.

Document type: Master's thesis
Date: 1993
Version: Primary publication
Date Deposited: 29 Jan 2007 16:20
Faculties / Institutes: University, Fakulty, Institute > Marburg, University, Institute of Art History
DDC-classification: Painting
Controlled Subjects: Italien, Renaissance, Rezeption, Redon, Odilon, Symbolismus, Michelangelo <Buonarroti>, Leonardo <da Vinci>, Photographie, Reproduktion
Subject (classification): Painting
Countries/Regions: France