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Die Fallen im Werk von Andreas Slominski

Mörsch, Gerd

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Abstract

Kunst und Fallenstellerei haben viel gemeinsam. Ein wesentliches Ziel von Kunst seit ihren Ursprüngen bis heute ist die Idee der getreuen Abbildung, der Repräsentation des in der Welt vorgefundenen. Plinius der Ältere berichtet in seiner "Naturalis historiae" von der Relativität und Grenzen der menschlichen Wahrnehmung. Die Kunst der Täuschung von Mensch und Tier, die sich in der Thematik der Falle als Schnittstelle zwischen beiden zeigt, findet sich Plinius‘ Schilderung des Malerwettstreits zwischen Parrhasios und Zeuxis. Letzterer hatte Trauben gemalt, die hungrige Vögel anlockten. Parrhasios aber malte einen Vorhang. Als Zeuxis verlangte, man solle doch endlich den Vorhang wegnehmen und das Bild zeigen, war der Wettkampf entschieden.

Der kunstschaffende Mensch beschäftigt sich von Natur aus mit der Idee der Täuschung oder – neutraler gesagt – der Repräsentation. Vor diesem Hintergrund scheint das Werk eines Künstlers, der sich selbst als Fallensteller versteht und seine Werke als Fallen bezeichnet, also eine zentrale Eigenschaft des Kunstwollens zu thematisieren. Aus dieser Perspektive werden im Folgenden die Fallen im Werk von Andreas Slominski untersucht. Die erste Werk Slominskis, das der Autor dieser Arbeit bei der Recherche fand, war ein "Gerät zum Knicken von Autoantennen." Von der scheinbaren Absurdität und dem Humor der Arbeiten (1) des Künstlers irritiert und fasziniert zugleich, beschloss er, die Werke und die Spuren des Fallenstellers zu untersuchen. So stellte sich die Frage, ob Slominski ein zeitgenössischer Parrhasios sei.

Folgt man dem Gedanken, stellen sich weitere Fragen. Welche Rolle kommt den Betrachtern der Fallen zu? Was verbindet die verschiedenartigen Werke so, dass der Künstler sie alle als Fallen bezeichnen kann? Trotz der in den 1990ern Jahren erreichten Popularität und Präsenz der Werke Slominskis auf dem Kunstmarkt und in den Museen für zeitgenössische Kunst war bis zu der Ende 2003 erschienenen Ausgabe des Kritischen Lexikons der Gegenwartskunst (2) keine Monographie oder wissenschaftliche Arbeit über sein Werk erschienen. Als kunsthistorische Quellen für diese Arbeit standen nur Rezensionen in Fachzeitschriften und die bisher erschienenen Ausstellungskataloge zur Verfügung. (3) Seit 16 Jahren wurde kein Interview mit dem Künstler mehr veröffentlicht.

Aufgrund der eingeschränkten Quellenlage nehmen die beiden ein Jahr nach seiner ersten Ausstellung publizierten Interviews eine zentrale Stellung in dieser Arbeit ein. Nach langem Bemühen sind kurz vor der Abgabe dieser Arbeit intensive Gespräche mit dem Künstler zustande gekommen, die seinem Wunsch entsprechend nicht aufgezeichnet wurden. Die von Slominski stammenden Informationen und Hinweise aus den Gesprächen sind daher nicht als Zitate in die Arbeit eingeflossen, sondern in Form von indirekter Rede oder Anmerkungen in die Fußnoten des Textes eingebaut.

Der zentralen Stellung der Tierfallen im Werk des Künstlers entsprechend, werden im Rahmen der Arbeit nur diese untersucht und im Sinne ihrer künstlerischen Bedeutungs- und Formenvielfalt analysiert. Eine Untersuchung von "Nicht-Tierfallen", die im Sinne eines intellektuellen Konzepts als Fallen verstanden werden können, kann aufgrund des begrenzten Rahmens nicht geleistet werden. Beispielhafte Exkurse zu einzelnen, auf den ersten Blick nicht als Fallen zu erkennenden Werken verdeutlichen jedoch deren Zugehörigkeit zum Fallenkomplex. Sie dienen der Unterstützung der vom Künstler selbst bestätigten These, dass alle seine Arbeiten als Fallen verstanden werden können. Einleitende kulturgeschichtliche und etymologische Exkurse sollen das breite Spektrum der verschiedenen Bedeutungsdimension der Falle verdeutlichen und dienen zugleich der ikonographischen Analyse.

Nach einer Analyse der verschiedenen Aspekte der Tierfallen im Kunstkontext werden abschließend beispielhaft ausgewählte Werke der Kunst des 20. Jahrhunderts unter dem Aspekt der Falle betrachtet und den Tierfallen Slominskis gegenübergestellt. Um der besonderen Rolle des Rezipienten – der Betrachter als "potentielles Opfer" der Tierfallen – gerecht zu werden, werden vor dem Fazit noch wesentliche rezeptionstheoretische Aspekte angesprochen.

(1) Außerdem zu sehen waren u.a. eine "Falle für Hyänen" und "Weihnachtsdekoration für den Frühling, den Sommer und den Herbst".

(2) Zbikowski 2003

(3) Die Vielfalt der Literatur bewog den Autor, im Sinne der Übersichtlichkeit auf die übliche ausführliche Zitierweise in den Fußnoten zugunsten der Kurzform zu verzichten. Denn vor dem Artikel des Kritischen Lexikons der Gegenwartskunst (Zbikowski 2003) gab es keine vergleichbare wissenschaftliche Literaturübersicht zu Slominski. Im Literaturverzeichnis werden daher alle verwendeten Kurzformen ausführlich und übersichtlich aufgeschlüsselt, so dass sich die Quellen der Zitate dem Leser schnell erschließen und eine bisher nicht vorhandene Zusammenstellung entsteht.

Document type: Master's thesis
Date: 2004
Supervisor: Prof. Dr. Antje von Graevenitz
Version: Primary publication
Date Deposited: 28 Jul 2016 09:35
Faculties / Institutes: University, Fakulty, Institute > Cologne, University, Institute of Art History
DDC-classification: Arts
Controlled Subjects: Slominski, Andreas, Falle <Motiv>
Subject (classification): Artists, Architects
Countries/Regions: Germany, Switzerland, Austria