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Zur Ausschmückung des Ehrenhofs und des Kongreßsaals des Deutschen Museums, 1928 bis 1958

Petzold, Hartmut

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PDF, German
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Abstract

Ausgehend von einem Schreiben an den Reichsminister für Erziehung und Volksbildung Bernhard Rust vom November 1937, in dem der Münchener Architekt German Bestelmeyer, Professor an der Technischen Hochschule und Präsident der Akademie der bildenden Künste, die Finanzierung der lange geplanten künstlerischen Ausschmückungen des neuen Ehrenhofs des Deutschen Museums anmahnte, werden anhand von Schreiben und Fotos aus dem Archiv dieses Museums Zusammenhänge mit den politischen Auseinandersetzungen der Zeit verfolgt. Die um 1933 noch wenig gefestigte Rolle des technisch-naturwissenschaftlichen Museums, das sich mit der Eröffnung des neuen Ausstellungsgebäudes auf der Isarinsel 1925 sofort als Publikumsmagnet erwies, erfuhr durch die beiden neuen Gebäude für Bibliothek, Archiv und weitere Studienmöglichkeiten einerseits und den großen Saal für populärwissenschaftliche Vorträge und Kongresse, aber auch für große politische Veranstaltungen, andererseits, eine neue Gewichtung. Oskar von Miller, Museumsinitiator und langjähriger Leiter, hatte ein derartig vielseitiges „Projekt Deutsches Museum“ von Anfang an geplant gehabt. Die mit dem Ausstellungsgebäude über den als „Ehrenhof“ bezeichneten Hof zu einem Gesamtkomplex verbundenen Neubauten entstanden nach dem Entwurf Bestelmeyers trotz Weltwirtschaftskrise und politischem Umbruch in der erstaunlich kurzen Zeit zwischen 1928 und 1935. Für die nachträglichen Ausschmückungen der sehr nüchtern geplanten und ausgeführten Bauten engagierte der Architekt Künstler aus der von ihm präsidierten Akademie. Im von der Residenz- zur republikanischen Landeshauptstadt degradierten Zentrum der „Ordnungszelle“ des Reichs spitzte sich die politisch sanktionierte Auseinandersetzung um Kunst und Architektur auch deshalb in besonderer Weise zu, weil sie der „Führer“ zu seinem persönlichen Anliegen deklariert hatte und sie schon bald als „Stadt der Deutschen Kunst“ und „Hauptstadt der Bewegung“ zweifach neu etikettieren sollte. Auch wenn sich die künstlerischen Ausschmückungen der Neubauten für die weitere Entwicklung der Kunstpolitik in München und in Deutschland nicht als übermäßig bedeutend erweisen sollten, so können sie doch als Indizien für die gewichtigen Interessen gelesen werden, die im bereits zur Institution gewordenen Gesamtprojekt Deutsches Museum zusammenliefen. Neben den zahlreichen, oft gewichtigen Protagonisten aus Politik, Industrie, Wirtschaft und insbesondere aus den akademisch institutionalisierten Natur- und Technikwissenschaften trat dabei auch eine Gruppe von Vertretern der Kunst und Architektur in Erscheinung. Neben kleineren Ausschmückungen, spielte das rund 130 Meter lange, sich über drei Wände des Kongreßsaals erstreckende Mosaik die bedeutendste Rolle. Initiiert vom Propagandaminister Goebbels veranstaltete ein speziell eingerichteter „Ausschuß zur Förderung der deutschen Mosaikkunst“ unter dem Vorsitz des ersten Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, Ernst Hönig, einen Wettbewerb und wählte im Dezember 1934 aus 377 eingegangenen Entwürfen den des jungen Hermann Kaspar von der Münchener Akademie aus. Über das Projekt, das schon beim Wettbewerb als „eine der größten künstlerischen Aufgaben der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit“ bezeichnet wurde, berichtete das offizielle Kunstorgan „Die Kunst im Dritten Reich“, bzw. „… im Deutschen Reich“ mehrmals mit großen Fotos und ließ an dessen vorbildhaftem Charakter im Kampf gegen die „entartete Kunst“ keinen Zweifel. Die Fertigstellung erfolgte erst in den Nachkriegsjahren, wobei es auch noch 1955 vom Nobelpreisträger Adolf Butenant als eines der „bedeutendsten Kunstschöpfungen unseres Jahrhunderts“ gewürdigt wurde. So steht es auch exemplarisch für den Umgang der jungen Bundesrepublik mit der künstlerischen Erbschaft des Nationalsozialismus. Drei der Protagonisten werden von ihren Biographien her ausführlicher charakterisiert: Der Architekt Bestelmeyer, der Kunstmaler Kaspar und zuletzt der Verleger Hugo Bruckmann, der seit dem Tod des Museumsgründers Oskar von Miller im Jahr 1934 bis 1941 die leitende Position im Deutschen Museum innehatte. Sie alle hatten sich in unterschiedlicher Weise, jedoch entschieden in den Dienst der Mission des Nationalsozialismus gestellt. Sowohl der Architekt als auch der Verleger wurden bei ihrem Tod 1941, bzw. 1942 mit vom „Führer“ angeordneten Staatsakten geehrt. Während sie das katastrophale Ende dieses Systems nicht mehr erlebten, gelang Hermann Kaspar, wie schon 1934 ausgehend vom Mosaik im Deutschen Museum, eine zweite Karriere als hochgeehrter Professor an der Münchener Akademie.

Document type: Article
Date: 2008
Version: Primary publication
Date Deposited: 24 Sep 2008 08:15
Faculties / Institutes: Museum > Munich, Deutsches Museum
DDC-classification: Arts
Controlled Subjects: München / Deutsches Museum / Ehrenhof, München / Deutsches Museum / Kongresssaal, Ausstattung, Bestelmeyer, German, Kaspar, Hermann (Künstler), Bruckmann, Hugo
Subject (classification): Architecture
Museology, Art Collection, Art Museum
Countries/Regions: Germany, Switzerland, Austria