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Neues von der Nonnen-Sau. Die Hauptfigur und der Konzepteur des Gartens der Lüste von Hieronymus Bosch

Meinhard, Michael

[img] PDF, German
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Abstract

Der Aufsatz setzt an meiner Interpretation des Gartens der Lüste als Traum einer Frau an. In ihrem Traum erkennt die Frau in der Höhle die sinnliche Liebe als falsch. Sie erwacht und ist mit dieser Sekunde der Vision erweckt, wenngleich sie im Moment ihrer Erweckung noch/wieder Anzeichen der sinnlichen Sünden verrät (Eule im Spiegel). Der Aufsatz löst den Widerspruch, dass für ein Bild der Erweckung – selbst wenn es sich um eine ‚magdalenische‘ Frau handelt – unpassend viele sinnliche, sexuelle und im zeitgenössischen Sprachgebrauch sodomitische Vergehen gezeigt und angedeutet sind. Als Lösung dieses Widerspruchs wird erörtert, ob das Bild ein historisches Sujet haben könnte und die erweckte Frau nach dem Vorbild der berühmten Liebenden Heloise angelegt ist. Konkret nach der Heloise, wie sie Jean Molinet in seinem Roman de la Rose moralisé (1500) entworfen hat – als Heloise mit zweifelhafter Konversion, die als ‚Braut des Luzifers‘ in der Hölle geendet hätte. Es zeigt sich, dass etliche Indizien im Bild auf Heloise passen: das Vorbild Magdalena und der Bräute des Hoheliedes, ihre Phantasmen, die Heuchelei, die Heirat, die Schwangerschaft. Ebenso die Nonnen-Sau, die an die Flucht der Heloise nach der Schwangerschaft in einer Nonnen-Verkleidung anspielen könnte, oder die die Heuchelei der späteren Äbtissin Heloise behauptet, die eigentlich weiter irdisch Abaelard geliebt hätte. Der Garten der Lüste kulminiert, so verstanden, im Moment der Vision der Frau – Heloise – in der Höhle in der Frage, die sich noch moderne Gelehrte stellten: Hat Heloise innerlich auf ihrer Liebe zu Abaelard beharrt, oder hat sie im Kloster eine ehrliche Konfession erlebt? Geprüft wird ebenso, ob sich Spuren des Abaelard im Bild finden, als Denker oder als kastrierter Liebhaber.

Ein weiterer Aspekt betrifft den Konzepteur des Bildes. Schon bekannt waren Symbole des französischen Stachelschweinordens und des burgundischen Vlies-Ordens im Garten der Lüste. Daran anknüpfend wird vorgeschlagen, den burgundischen Dichter und Hofchronisten Jean Molinet als maßgeblichen Konzepteur des Bildes anzunehmen. Es lässt sich zwischen Molinets Dichtung und dem Bild eine ästhetische Verwandtschaft aufzeigen, eine Verbindung, die übrigens der französischen Romanistik bereits bekannt war. Die bei Molinet praktizierte Kombination des Symbols für einen französischen König mit einer symbolisch-exotischen Tiertruppe findet sich auch im Garten der Lüste. Jean Molinet sollte der maßgebliche Konzepteur des Bildes sein. Nicht der Maler Hieronymus Bosch hat das Bild signiert, sondern er malte die typische ‚Signatur‘ des Konzepteurs Jean Molinet hinein: Die, wie der Name sagt, ‚kleine Mühle‘, ist oben mittig in der Höllentafel platziert, sie ‚beendet‘ die Bilderzählung in der gleichen Weise, wie der Dichter Molinet mehr als 30 mal seine Texte mit der ‚kleinen Mühle‘ signiert hat.

Document type: Article
Date: 2020
Version: Primary publication
Date Deposited: 18 Mar 2020 14:35
Faculties / Institutes: Research Project, Working Group > Individuals
DDC-classification: Painting
Controlled Subjects: Bosch, Hieronymus / Garten der Lüste, Nonne <Motiv>
Subject (classification): Artists, Architects
Iconography
Painting
Countries/Regions: Benelux