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Das verschollene Retabel von Diedersdorf (Stare Dzieduszyce) in der Neumark. Zur Wirkung Hans Leinbergers

Walanus, Wojciech

In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte, 62 (2011), pp. 11-42

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PDF, German
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Abstract

Vor dem zweiten Weltkrieg befanden sich im Herrenhaus Charlottenhof (heute Sosny) neun Kunstwerke, die von der Pfarrkirche in Diedersdorf in der Neumark (heute Stare Dzieduszyce) stammten. Es waren die Holzfiguren der Muttergottes mit dem Kind auf dem Mondsichel, des hl. Georgs, des hl. Nikolaus, eines hl. Bischofs, eines bärtigen Heiligen und einer hl. Jungfrau; dazu ein Relief der Verkündigung, ein Relieffragment mit der Szene der Heimsuchung und die Tafel mit den gemalten Darstellungen des Christus vor Kaiaphas und der Kreuztragung. Bis vor einigen Jahren galten alle diese Werke als Kriegsverluste. Es hat sich jedoch ergeben, dass zumindest zwei von ihnen den Krieg überdauerten: das Relief der Verkündigung (heute in der Pfarrkirche in Winna Góra in Großpolen) und die Muttergottes (2006 im Kunsthandel vom Marienburger Schloßmuseum erworben).

Die Skulpturen aus Diedersdorf bilden eine ziemlich heterogene Gruppe. Nur drei Figuren (die Muttergottes, hl. Nikolaus und hl. Georg) ähneln sich formal so sehr, dass ihre Entstehung in derselben Werkstatt mit Sicherheit angenommen werden kann. Das gilt am wahrscheinlichsten auch für die Verkündigung, weil sowohl dieses Relief als auch die erwähnten Figuren auf gemeinsame künstlerischen Vorbilder zurückgehen. Es liegt also nahe, dass alle vier Bildwerke die Fragmente eines und desselben Flügelretabels darstellen, zu dem auch die gemalte Tafel mit Passionsszenen gehörte.

Der anonyme Meister, der für die Schnitzereien dieses Retabels verantwortlich zeichnete, war mit den Werken Hans Leinbergers gut vertraut. Das zeigt am besten die Muttergottes: die Körperproportionen, die Gewandformen (vor allem das Y-Motiv, das die Faltenstege bilden), die Frisur der Maria sowie ihr zeitgenössisches Kostüm verraten enge Verwandtschaft mit den Marienfiguren Leinbergers oder seiner niederbayerischen Nachfolger (u. a. die Madonnen in St. Martin in Landshut und in der Wallfahrtskirche in Scheuer). Für den Diedersdorfer hl. Georg diente wohl die Figur des Drachentöters in der Frauenkirche zu München, ein Meisterwerk Leinbergers, als Inspiration. Die Komposition der Verkündigung stimmt bis auf einige Details mit dem entsprechenden Relief des Bergknappenretabels in Annaberger St.-Annen-Kirche (1521) überein, dessen Skulpturen auch vom Stil Hans Leinbergers geprägt sind. Möglicherweise wiederholen beide Reliefs ein verlorenes Werk des Landshuter Meisters.

Die Malereien des Diedersdorfer Retabels, die qualitativ deutlich schwächer als die Skulpturen sind, bezeugen die Schulung ihrer Schöpfers im weiten Kreis Lucas Cranachs d. Ä. So findet die Szene Christus vor Kaiaphas ihre nächste kompositorische Entsprechung in gleicher Darstellung auf einem Flügel des Retabels aus der Nikolaikirche in Grimma (1519), das der Werkstatt eines Cranach-Schülers, des Meisters des Döbelner Hochaltares, zugeschrieben wird.

Auf Grund der vorgeführten Vergleichsbeispiele kann man das Diedersdorfer Retabel frühestens um 1520 datieren. Die Skulpturen dieses Retabels sind für die Geschichte der spätmittelalterlichen Kunst in der Neumark von großen Bedeutung, da sie die Rolle der süddeutschen Einflüsse für die Entwicklung der Plastik in dieser Region deutlich bezeugen.

Document type: Article
Contributors:
ContributionName
TranslatorGórbiel, Ewa
TranslatorSzybisty, Tomasz
Version: Secondary publication
Date Deposited: 20 May 2015 15:27
Faculties / Institutes: Research Project, Working Group > Individuals
DDC-classification: Plastic arts, numismatics, ceramics, metalwork
Painting
Controlled Subjects: Leinberger, Hans, Umkreis, Cranach, Lucas (Künstler, 1472-1553), Umkreis, Sosny <Landsberg, Warthe>, Stare Dzieduszyce, Retabel
Subject (classification): Artists, Architects
Painting
Sculpture
Countries/Regions: Germany, Switzerland, Austria
East Europe
Collection: ART-Dok Central and Eastern Europe